Alltag: Wasser holen

Dem aufmerksamen Leser wird zweifelsfrei aufgefallen sein, dass das Leben hier in der Sierra ein Wenig von dem abweicht, was man sonst so von zuhause kennt.

Die Lebensgrundlage zum Beispiel, das Wasser, hat hier einen besonderen Stellenwert. Dazu sollte man beachten, dass es grundsätzlich drei Sorten Wasser gibt.


Wasser holen
Wasser holen

Die dritte Sorte allerdings, das schwarze Wasser, existiert hier nicht aufgrund der Trockentoiletten. Hier gibt es das graue und das weiße Wasser.
Das weiße Wasser ist das gesammelte Regenwasser und ist somit Trinkwasser. Es wird zentral in einer Zisterne gesammelt, aber auch lokal an den Regenrinnen der Häuser. Es wird aus dem nahegelegenen Fluss in große Behälter gepumpt, die oft auf kleinen Türmen stehen, um einen gewissen Wasserdruck zu erzeugen, wird dann aber nicht zum Verzehr verwendet.

Das, was dann aus den Waschbottichen in die Landschaft gekippt wird, oder aus dem Küchenabfluss zum Tomatenbaum läuft, ist das graue Wasser, das Abwasser.

Wenn das jetzt nicht ganz so die richtige Definition ist, liegt das daran, dass man hier eben alles was lockerer sieht.

Die Zisterne
Die Zisterne

Irgendwelche Filter gibt es hier im Haus nicht. das Regenwasser wird in 6 Liter Plastikflaschen von der Zisterne mithilfe einer Schubkarre geholt. Dann gibt es für diese Flaschen einen Pumpaufsatz und gut ist.

Trinkwasser aus dem Spender
Trinkwasser aus dem Spender

Ich habe mir deshalb angewöhnt, den Salat und das Gemüse mit Regenwasser abzuwaschen, denn das Flusswasser selbst ist noch so sandig und lehmig, dass man den Salat nicht reinigt, sondern nur „umgestaltet“.

Das Flusswasser eignet sich auch nur bedingt zum Waschen von Kleidungsstücken, da auch hier der Sand und Staub nur ausgetauscht wird.

Aber glücklicherweise gibt es überall auf der Welt Europäer mit deutscher Kultur. So habe ich eine tolle Österreicherin kennengelernt, die hier schon seit einigen Jahren lebt. Sie hat ein wunderschönes Haus, eine Waschmaschine und einen Wasserfilter unter einem echten Wasserhahn an der Spüle. Von ihr habe ich auch erfahren, dass sie das Regenwasser abgekocht hat, bevor sie den Filter bekommen hat.
kann man auch machen….

Beim Abwaschen sieht der Umgang mit dem kostbaren Nass allerdings wieder anders aus. Ein anderer Deutscher hat mir erzählt, dass er „Abwaschworkshops“ anbieten wollte. Der durchschnittliche Communitybewohner wäscht das Geschirr wohl unter fließendem Wasser ab, wobei nach Bedarf immer wieder Bioseife hinzugegeben wird. Stöpsel, um das Wasser am Entrinnen aus dem Spülbecken zu hindern, gibt es hier nicht.

Da er in dieser Hinsicht wohl etwas penibler eingestellt ist, als sein soziales Umfeld, gab es für diesen Workshop noch keine Resonanz.

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