Das Internetz auf Reisen

Der weltweite Verbund von Rechnern und digitalen Geräten aller Art ermöglicht eine nie gekannte globale Kommunikation. Die Explosion der Anzahl von Knotenpunkten hat eine nie dagewesene Vernetzung entstehen lassen.
Videos, Bilder und Texte werden in sekundenschnelle über den Erdball geschickt, runtergeladen und verwendet.
Wenn man denn einen Zugang hat…

Der Schlüssel in die digitale virtuelle Welt ist ein Smartphone, ein Tablet oder ein netter Mensch, der uns seinen Zugang nutzen lässt, wobei letzteres scheinbar die einfachste Lösung ist.

Tablet und Smartphone benötigen eine SIM Karte, mit der sie Zugang bekommen, und einem Rechner, z.B. einem Laptop, den Zugang ermöglichen.
Die erste Pflicht des Reisenden ist es also, sich für die digitale Welt einen Zugang zu verschaffen.
Im Cafe mit kostenlosem WLAN kurz die Telefonanbieter gecheckt, den nächsten Laden ausfindig gemacht, dann los, eine Prepaid SIM kaufen.
Meine war von Claro. Alles in allem günstig, ein großer Anbieter in Uruguay. In Montevideo klappt alles wunderbar, nur einen Hotspot für meinen Laptop kann ich nicht einrichten. Diese Funktion wird vom Anbieter nicht unterstützt.

Spontan produziert mein Gehirn den Begriff „Arschkrampen!“, aber gut, immerhin mit dem Tablet habe ich Zugang.


Hier in den Bergen, in der Sierra de Rocha, ist aber einiges anders, als in der Stadt. Ich habe keinen Empfang. GAR KEINEN! „Kein Netz“ zeigt mir mein Tablet an.
Alle um mich herum reden von der WhatsApp Gruppe der Community, telefonieren und surfen im Internet. Nur ich nicht…. Kein Netz.

wtf-fuuuuu
wtf-fuuuuu

„Arschkrampen!“ meldet sich mein Gehirn in gewohnter aufgebrachter Weise.

Mein Gastgeber bietet mir an, für die Zeit seiner Abwesenheit, seine SIM Karte zu verwenden. Er kann damit, hier im Nirgendwo, sogar Skype nutzen. „Prima“ sage ich, „her mit dem Ding“. 
Mit der Nähnadel noch eben in den Finger gestochen, beim Versuch, die alte SIM aus dem Applegerät zu bekommen, dann die Neue eingelegt, Neustart.
Der Anbieter ANTEL ist mit 4 von 5 Punkten erreichbar, zusätzlich wird 3G angezeigt. „Willkommen zu Hause“ denke ich mir, und öffne Facebook, in freudiger Erwartung, endlich wieder Anschluss an das echte Leben zu haben.

„Die Seite kann nicht angezeigt werden, da sie kein Teilnehmer des Netzes sind!“

„!!ARSCHKRAMPEN!!“

Jetzt, in dem Moment, in dem ich das hier schreibe, habe ich keinen Internetzugang. Deshalb kann ich auch kein WTF!-Emoticon runterladen und hier einbauen. Kommt später. Bis dahin muss der Gedanke „!!ARSCHKRAMPEN!!“ genügen.

WTF <- Da isses.

„Magnus…“ frage ich meinen Gastgeber, „wasn das hier?“ „Och… das kommt manchmal…. hab ich auch schon gehabt…“
Ok.. IT Magic… es gibt eben Stufen der Komplexität, in der ein System eine gewisse augenscheinliche Eigendynamik entwickelt. Ich probiere es noch mal, wieder nichts. Den ganzen Tag nichts und den ganzen Tag darauf nichts. Die „Arschkrampen“ werden immer leiser, der Protest wandelt sich in Resignation.

Ich muss ins 18 km entfernte Rocha zum ANTEL Anbieter, der soll das regeln. 
„In der WhatsApp Gruppe schreiben sie immer, wenn sie nach Rocha fahren“ belehrt mich Alego (Sprich: Alecho“) ein Junge um die 14 Jahre. So normal ist Internet für die junge Generation, dass sie nicht mal wissen, was man nicht hat, wenn es nicht geht….
„Ja cool… guck ich dann mal“ sage ich…

Früher stand häufig irgendwo „Wer das liest ist doof“, ein humorvoller Umgang mit dem Gesetz des konkludentem Handelns.
Ich schreibe mal „Wenn ihr das hier lest, habe ich einen Zugang gefunden“.

JA! Ich war heute in Rocha, beim ANTEL Shop, einem der vielen Telefonanbieter des Landes, aber der Einzige, der in den Bergen ein Netz anbietet!
Das Tablet hatte ich auf „Spanisch“ umgestellt und erklärte dem Mitarbeiter hinter dem Tresen die Situation.

Ein wenig unbeholfen navigierte er sich durch die Oberfläche, nutze das Trial and Error Verfahren, bis er zum Telefon griff.
„Der Gewünschte Teilnehmer ist nicht erreichbar“ also nochmal … Einstellungen… ah! da! SIM….
ein bisschen was getippt, korrigiert, gelöscht, wieder eingerichtet, nochmal getippt, und es lief!
Ich bedankte mich und er quittierte diesen Dank mit einem Gesichtsausdruck, der soviel aussagte wie: „Da, du Noob!“. Als ich ihm 200 Pesos (7 Euro) auf den Tisch legte, verwandelte sich sein Gesicht in die echte Freude eines Dienstleisters, der Wertschätzung durch seinen Kunden erfahren hat.
Da ich das neugewonnenen Vertrauensverhältnis unterbauen wollte, kam ich eine halbe Stunde später noch mal in den Shop, diesmal mit der Frage, wie ich denn die Prepaidkarte aufladen kann, und zahlte ein Guthaben von weiteren 500 Pesos ein. Er hat mich wiedererkannt, war so freundlich wie nach dem Empfang der monetären Wertschätzung, und ich habe nun jemanden von einer Telefongesellschaft, der mich mag.
… und ich habe Internet…

Ein toller Tag!

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