Landkommunenhippie I – Die Ankunft

Ich wusste nicht viel über meine Hosts, die ich über eine Work and Travel Plattform im Internet kennen gelernt habe. Eine Familie mit zwei Kindern, die im Hinterland ein Haus gebaut hat, und nun noch ein Bisschen Hilfe gebrauchen kann. Er kommt aus Finnland, heißt Magnus und ist Mitte vierzig, seine Frau Veronica ist Uruguayerin, hat Eltern, die in Argentinien leben. Der Junge, Lorenz, ist ein einhalb Jahre alt, seine Schwester Fauna 4.

Zum ersten Mal trafen wir uns, als ich in Rocha angekommen bin und von ihnen abgeholt wurde. Magnus saß am Steuer eines VW Gol Kombi, einer südamerikanischen Ausgabe unseres Golfs, Vero saß mit beiden Kindern hinten. Lorenz wurde gerade gestillt, Fauna machte splitternackt Turnübungen im Kindersitz. Ich setzte mich mit Nele auf den Beifahrersitz, mein Gepäck kam in den Kofferraum.

Eine kurze Vorstellung erfolgte, dann ging es zum Gemüsehändler und zum Bäcker, bevor die Fahrt in das 18 Km entfernte Domizil, meiner neuen Heimat, angetreten wurde.
Schnell hatten wir den kleinen Ort verlassen und fuhren auf einer Sandpiste Richtung Berge.

Straße in die Berge
Straße in die Berge

Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 45 km/h gilt wahrscheinlich nur für reine Offroadfahrzeuge, denn jedes für den zivilen Straßenverkehr erbaute Gefährt nimmt eher Schaden, als dass es diese Geschwindigkeit erreicht. Schlaglöcher, vom Regen ausgewaschene Rinnen, Steine und alles was dazu gehört, hätten mir das Herz aufgehen lassen, wenn ich mit meinem Motorrad von damals hier gewesen wäre. Das heruntergekommene, staubige Auto, die ockerfarbene, rumpelige Straße, der blaue Himmel mit den fetten weißen Wolken, die 30° C im Schatten und die Vegetation aus Palmen, trockenen Sträuchern und Eukalyptusbäumen ließen sofort ein Farcry IV Feeling aufkommen…. nur war es wesentlich friedvoller, als im Spiel.

Das Haus
Das Haus

Leider blieb das Wetter nicht beständig. Irgendwann formten kreisrunde Tropfen ein dynamisches Muster in den rotbraunen Staub auf der Windschutzscheibe.
Wir kamen nach kurzer Fahrt an ein Holzgatter, das wir öffneten und hinter uns wieder schlossen. Das war der Eingang zur „Community“, einem Gebiet, dass von einigen wenigen Menschen bewohnt wurde. Dei Straße wurde noch rumpeliger und wir erreichten einen Weg, der durch die niedrigen Büsche führte. Zwei kurven weiter waren wir schließlich am Ziel. Mitten in der südamerikanischen Gras- und Strauchlandschaft eine Baustelle mit einem 6×6 Meter großem Haus. ca 200 Meter weiter konnte man das Dach eines weiteren Hauses erkennen.
Der Regen hat mittlerweile zugelegt und ist zu einem richtigen Platzregen angewachsen.

„Oh… das Zelt…“ sagte mein Gastgeber. „Wir müssen gucken, ob es noch trocken ist!“ Doch erst mal betraten wir das Haus. Freudig wurde ich von einer brummenden schwarzen Wolke von tausenden von Fliegen begrüßt, die aus der kleinen Kochnische rechts des Eingangs kamen. Der Wohnraum im Innern erfreute sich einer kreativen Gestaltung durch die zwei Kinder Lorenz und Fauna. Spielsachen, Matratzen, Werkzeug und noch einiges mehr lag überall im Erdgeschoß verteilt. Magnus ging trotz des Regens erst mal Trinkwasser besorgen.

Das Wasser zum Spülen wird mit Hilfe einer Pumpe aus dem nahegelegenen Bach in einen ca. 1000 liter fassenden Behälter am oberen Ende des Grundstücks gepumpt.

Mein Zelt
Mein Zelt

Das Trinkwasser ist Regenwasser und wird zentral gesammelt. Magnus packte also 5 Wasserflachen a 6 Liter auf eine Schubkarre und kam 10 Minuten später klatsch nass zurück.

Ich wurde über das Leben in der Community und alles andere aufgeklärt, bis der Regen nachgelassen hat. Danach sahen wir uns das Zelt an. Es stand auf einer Holzplattform, die ungeschickterweise zur Mitte hin abfiel, was bewirkte, dass das Regenwasser unter das Zelt lief, und von dort durch Löcher in der Bodenplane aufsteigen konnte. Im Zelt stand eine recht große, schlammige Pfütze. Der Aufbau des Zeltes war von Leuten vorgenommen worden, die sicher noch nie ein Zelt dieser Art aufgebaut hatten, oder in irgend einer Weise das technische Verständnis dafür hatten. „Wenn die auch das Haus gebaut haben,“ dachte ich, „wäre es besser, wieder zu verschwinden….“

Um die Spannung nicht zu große werden zu lassen: Ja, amateurmäßige Bastelei so weit das Auge reicht. Dazu zwei völlig überforderte Eltern, die keine Ahnung haben, wie ein Haus in der Wildnis zu führen ist.
Die tausenden Fliegen waren die Konsequenz von stehangelassenen Essensresten, nicht abgewaschenem Geschirr und einem völligen Durcheinander in jeder Beziehung.
 Da war ich nun…. willkommen in der Landkommune.

es geht weiter…

Die Lage von oben
Die Lage von oben

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