Tierische Nachbarn II – Capybara

Die gestrige Nacht war kurz. In Summe gesehen. Ich bin um 23:00 Uhr in mein Zelt, da die Moskitos mich aus dem Haus vertrieben haben. Im Garten wartete eine Überraschung auf mich, die ich zuvor schon gespürt habe, die mir aber noch nicht begegnet ist.

Dunkle Flecken mit glühenden Augen
Dunkle Flecken mit glühenden Augen

Tiere, groß wie Hunde, dunkle Flecken im nicht ganz so dunklen Gras. Im Licht der Taschenlampe leuchteten ihre Augen wild in der Dunkelheit. Sie durchkämmten das Gelände um das Haus herum. Die abgedeckten Holzplanken, den abgedeckten Komposthaufen, ich hörte ihr schnüffeln und schnaufen und ihre schritte auf den Plastikfolien und im Gras.

Nele sah sie, wurde aufmerksam, zählte kurz durch und entschied, wortlos ins Zelt zu gehen. Den Rest der Nacht lief sie zwar unruhig auf und ab, wobei ich vermute, dass das an ihrem Untermieterproblem (saugendes Ungeziefer) lag, aber sie bellte nicht und schien die Besucher zu ignorieren.

05:30 Uhr, die Plastikfolien raschelten, es schnüffelte immernoch. Immer noch, immer wieder? Wie muss sich jemand fühlen, der weiß, dass vor dem Zelt hungrige Bären oder Wölfe rumschnüffeln?
Ich schob den Gedanken beiseite, schnappte die Kamera und… verdammt! …sie lag noch im Haus.

Andere Kamera, die kleine für die Hosentasche. Blitz eingeschaltet, grob auf das Rascheln gehalten und „KLICK! FLASH!“. Nichts regte sich. Ich hatte Flucht erwartet und erhielt Stille. Dann raschelte es genauso unbeeindruckt weiter wie zuvor. Ich sah mir das Bild an: Überbelichtete Grashalme im Vordergrund dunkler Hintergrund mit… einem glühenden Auge!“

„Waff!“ bellte es von schräg hinten. Ich war umzingelt von Wesen, von denen ich nur die glühenden Augen auf Bildern kannte. Mir wurde mulmig. Wieviele waren das? Gestern hatte ich ungefähr 7 kleine dunkle Flecken und zwei große dunkle Flecken gezählt. Beschützen die Eltern ihre Jungen? Waren das so was wie Wildschweine? Die soll es hier auch geben…
Ich war schwer damit beschäftigt, Kontrolle über mein Gehirn zu bekommen. Es gelang mir nicht, ich wurde zum Sklaven meines Reptiliengehirnes.
„ANGRIFF!“
Ich machte Krach mit herumliegendem Bauholz und vernahm die zuvor erwartete Flucht ins dichte Unterholz. „SIEG! mein Schatz..“
„Und nun der Garstige hinter dir!“ mein Gehirn hörte sich an wie Gollum…

Ich drehte mich um und hörte noch, wie etwas in Richtung Nachbarhaus/Badeteich lief. Ich nahm die Verfolgung auf, bog vom Gelände auf den Weg und sah einen dunklen Fleck 50 Meter weiter mitten auf dem Weg sitzen. „Großkotziges Arschloch!“ produzierte mein Gehirn. Ich warf einen Stein gezielt in das Gebüsch daneben, es raschelte, der Schatten lief weg. Nicht so schnell, das man es hätte „Flucht“ nennen können, aber er lief. „Trotzige kleine Bastarde!“ mein Gehirn kam richtig in Fahrt. Ich ging zurück zum Zelt, warf einen Stein in das Dickicht, in dem die anderen zuvor verschwunden sind, und vernahm nun eine hektische Flucht.
„Mit miiiir nicht Kollege!“

Ich ging ins Zelt zurück. Nele lag im Eingang und guckte mich müde an. Zum Einen freute ich mich ja, dass sie nicht rausgerannt ist und sich mit unseren Besuchern angelegt hat. Zum Anderen… Wird sie genauso ruhig sein, wenn tatsächlich mal hungrige Wölfe oder Bären ums Zelt schleichen? Egal… die Nacht war vorbei, ich war wach und hatte in drei Stunden eine Fahrgelegenheit nach Rocha. Erst mal Kaffee kochen und dann im Internet nach den Tieren schauen…

Einige Webseiten später fühlte ich mich wie der Jäger aus dem Lied „Ein Jäger längs dem Weiher ging“…

Capybaras (Hydrochoerus hydrochaeris) oder einfach das Wasserschwein, sind Meerschweinchenverwandte und die größten Nagetiere, die es gibt. Sie bekommen eine Schulterhöhe von 50 bis 62 Zentimetern, wobei die Weibchen etwas größer werden als die Männchen. Das Gewicht kann mehr als 75 Kilogramm betragen, das bekannte Maximalgewicht liegt bei 91 Kilogramm. Außerhalb der Community werden sie als Nahrungsquelle gejagt.

P1030261

Wikipedia sagt:

Capybaras sind im Vergleich zu anderen südamerikanischen Arten gegenüber Veränderungen des Lebensraums durch Menschen relativ tolerant und können in gewissem Ausmaß auch in Gebieten überleben, die in Plantagen oder Viehweiden umgewandelt wurden.

P1030269

Toleranz (von tolerare lat.: tragen) finde ich nicht so passend. Sie scheinen nichts zu ertragen. Die Ruhe und die Ausgeglichenheit dieser Tiere, die Art und Weise, wie sie einen Angucken…. ich habe eher den Eindruck, dass SIE die Einwohner hier sind, und sich dessen bewusst sind. Ausgestattet mit einer Art Buddahnatur, friedvoll, voller Akzeptanz und trotzdem ihr Ding machend.

P1030272

Am Abend dieses Tages habe ich auf sie gewartet. Ich habe sie herbeigewünscht, und sie kamen, als es noch hell genug war, um Bilder zu machen. Ich habe ihnen in die Augen gesehen und bin tief beeindruckt von ihrer friedvollen Art… vom gelegentlichen Bellen mal abgesehen.

P1030276

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.