Motorsport I

Es war gegen Ende der Siesatzeit, als mein friedlicher Schlaf in der Hängematte vor dem Haus durch den Lärm schwerer Maschinen jäh beendet wurde. Stahl auf Stein erzeugt ein Geräusch, dass so wach macht wie ein Becher Kaffee, der über die Tastatur gekippt wird.
Ich blinzelte zur Straße rüber und sah zwei große gelbe Baufahrzeuge vor unserem Gelände.
Hmm…
Große gelbe Baufahrzeuge vor dem Haus…. irgendwie kam mir das bekannt vor… gelbe Bulldozer… vor dem Haus…


Die Erinnerung durchzuckte mich! So oft hatte ich es in Filmen gesehen, in Büchern gelesen oder als Hörspiel gehört!
Mit einem Satz sprang ich aus der Hängematte und konnte nur mit Mühe den Impuls unterdrücken, mich vor den Baufahrzeugen auf die Straße zu legen.

Ich ging aber zur Straße und sah mir die Auswirkungen der Eindringlinge an. Der schöne steinige „Feldweg“, besäumt von wilden Büschen und überhängenden Bäumen glich nun eher einer Autobahn.
Die Böschung war gerodet und begradigt worden, und der Weg selbst wies nur noch einige wenige Steine auf, die kleiner als ein Feuerzeug waren.

Wildes Huhn auf wilder Straße
Wildes Huhn auf wilder Straße
Staubige Autobahn
Staubige Autobahn

Die neue seitliche Abgrenzung der Straße bestand nun aus Anhäufungen herausgerissener Büsche, abgebrochener Äste und Steinen, die größer als ein Feuerzeug waren.
Dabei wurde auch sonst nicht zimperlich vorgegangen. Jede Menge Sand wurde in die Bäche geschoben, die unser Gelände mit Wasser versorgen und sogar Verkehrsschilder, die vor spielenden Kindern warnen sollen, wurden umgepflügt und liegen gelassen.

Kinder sind Kleinkram...
Kinder sind Kleinkram…

Selbst die archaischen Brücken, die seit langem dem LKW Verkehr trotzten, haben diese Form der Bearbeitung nicht ganz überstanden.

Caution! Beginning hole! - Warning! Bigger hole! - DANGER! Whole hole!
Caution! Beginning hole! – Warning! Bigger hole! – DANGER! Whole hole!

Was in aller Welt bewegt jemanden dazu, Energie und Arbeitskraft in den Ausbau eines Feldweges am Ende der Welt zu investieren? Und dann derart rücksichtslos?
Ein paar Fragen wirkten wie eine Machete im Dickicht meines Versandes… oder wie Baumaschinen in der Natur.

Die Ralley!

Ein Motorsportevent Marke Paris-Dakar, quer durch die unberührte Natur der Sierra de Rocha. Und damit die Fahrer besser fahren können, muss die Natur ihre Unberührtheit eben ein wenig aufgeben.
Vom 08. bis 10. April ist hier also richtig was los.
Einen leisen Vorgeschmack bekommt man schon jetzt, wenn man einfach an der Straße spazieren geht. Jeder Verkehrsteilnehmer vom Fahrrad bis zum LKW würdigt die neuen Straßenverhältnisse mit erhöhter Geschwindigkeit, was erhebliche Mengen an Staub aufwirbelt.

„Es gab keine herkömmliche Methode über dieses Rennen Bericht zu erstatten…“ fielen mir die Worte aus „Fear and loathing in Las Vegas“ ein und im Geiste sah ich mich schon mit verhülltem Gesicht und einem Bier-Sandgemisch im Glas am Rande der Rennstrecke stehen.

Nun, ja, mal sehen, was passiert. Den Freunde eines harmonischen Zusammenlebens mit der Natur geht ein solcher Eingriff in Umwelt und Privatsphäre natürlich mächtig auf den Senkel….
Ich denke, da gibt es bald noch einiges zu berichten…