Der Herbst ist da!

In dem Moment, wo im alten Europa die Frühlingsgefühle anfangen zu wallen, ändert sich auf der südlichen Halbkugel alles.

An manchen Tagen öffne ich die Haustür und habe den Eindruck, über Nacht eine Reise durch Zeit und Raum gemacht zu haben, die in Schottland, Irland oder Norwegen geendet hat.

Die karge Berglandschaft ist in Nebel gehüllt, feiner Nieselregen hängt in der Luft und die Temperatur…. sagen wir mal: erfrischend…

Kein Gedanke mehr an den morgendlichen Badesee oder an „bis 10:00 Uhr musst du was getan haben, bevor es heiß wird“.

Die Tage verlaufen in durchschnittlichem Grau. Von Morgens bis Mittags, dann kommen 10 Minuten Sonne, und dann wird es wieder grau. 
Die Temperatur beträgt mediterrane 15-18°C, die Luftfeuchtigkeit dagegen bevorzugt den tropischen Bereich. Alles ist klamm, aber nicht kalt.

Löwenhund am Beerenbusch
Löwenhund am Beerenbusch

In den Abendstunden wird aus „klamm“ dann „nass“. Es kühlt merklich ab, und die Luft, die die Feuchtigkeit nicht mehr halten kann, gibt sie an die Umwelt ab. An Sträucher, Gräser und die, die gerade am Lagerfeuer sitzen.

Oh… Natürlich auch an das Holz im Lagerfeuer!

Mittlerweile mache ich mir ernsthafte Sorgen Gedanken über den Winter.
Es ist zwar nicht „richtig kalt“, vereinzelt wird mal von Raureif gesprochen, aber ein Feuer im Haus ist durchaus angebracht.
Nur…. womit soll ich heizen? Abgesehen davon, dass der Schornstein noch gemacht werden muss, und der Kamin momentan Nele als Schlafplatz dient.

Lagerfeuerplatz
Lagerfeuerplatz

Holz gibt es hier. Dank der Holzindustrie haufenweise Eukalyptus. Die Gegend, in der ich lebe, wurde jedoch von einem Gutmenschen gekauft, der irgendwas gegen die Holzindustrie hatte. Vielleicht wollte er nicht, dass die Eukalyptuswälder mit ihren 30 Meter tiefreichenden Wurzeln das Grundwasser absaugen, oder vielleicht wollte er der Holzindustrie einfach auf guerilliamäßige Weise Ärger machen, indem er das Land wegkauft. Egal. Jedenfalls gibt es hier nur ein Bisschen Eukalyptus, auffälliger Weise sind die Grundstücke immer mit „PRIVADO!“ und einer Mannigfaltigkeit von Verbotsschildern gekennzeichnet.

Oder es gibt kleine Sträucher, wie den wilden Pfeffer und Sachen mit Dornen…. ach ja… Disteln…. 2 Meter hoch…. toll…

Die kleinen Sträucher haben in der Evolution eine klasse Überlebensstrategie entwickelt. Die dünnen Zweige und Äste brennen aufgrund der ätherischen Öle und Harze sehr gut und sehr schnell. Die etwas dickeren „Stämme“, wir reden hier von Durchmessern von maximal 12 cm, brennen gar nicht. Man kann sie ins Feuer legen und nach 2 Stunden hat man eine Flamme von der Qualität einen Feuerzeuges, aber nur, wenn man gut pustet.

Ist ja auch praktisch bei einem Buschfeuer. Der Kleinkram brenn in null Komma nix weg, und die alten Stämme treiben in der nächsten Saison neu aus.

Blöd nur für den, der ein Feuer machen will, das länger als 5 Minuten brennen soll.
An einem Abend (3 Stunden) hat ein Lagerfeuer ca. einen Kubikmeter Zweige und Äste gefressen. Ich hatte mir das Feuer zur Aufgabe gemacht, und war nur am Rennen, um neues Holz ranzuholen.

Der Indianer sagt:

„Ein Indianer macht ein kleines Feuer und wärmt sich dran. Der weiße Mann macht ein großes Feuer und wärmt sich, in dem er Holz suchen geht.“

Das waren nordamerikanische Indianer. Hier in Südamerika hat der weiße Mann kein großes Feuer! Er rennt für für das, was ein Esbitkocher locker auf die Reihe bekommt.
Wenn bei euch also der Run auf die Maibäume losgeht, hat hier der Run auf die Gebüsche längst begonnen.

Ich hatte das Glück, dass in meinem Gelände ein ziemlich großer toter Strauch war, den ich mir direkt unters Dach der Nordseite gelegt habe. Bringt wahrscheinlich nicht viel, da der Nebel eh alles durchnässt, aber ich fühle mich besser, als wenn ich nichts getan hätte.

Weiterhin spiele ich mit dem Gedanken, Kuhfladen zu verbrennen. Wieso heißen die eigentlich Kuhfladen? Machen Bullen sowas nicht? Ich frag mal nen Bullen, wenn ich wieder in Deutschland sein sollte… oder die Gleichberechtigungsbeauftrage.

Also irgendwas, was brennt, muss her. Das ist die nächste große Aufgabe. Nach der Montage des neuen Schornsteins….

Jedenfalls verstehe ich jetzt, wieso alle im Winter nach Europa fliegen.

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