Die Rally – mit Kollateralschaden

Es war soweit! Nachdem die Fahrer am Freitag auf einer anderen Strecke begonnen hatten, ging es heute bei uns vor der Haustür weiter.

Ab 09:00 Uhr war die Strecke für den öffentlichen Verkehr gesperrt, was einige Schaulustige noch schnell nutzen, um vorher ihre Positionen zu beziehen.

Auch der Streckenposten hat seinen Mate dabei.
Auch der Streckenposten hat seinen Mate dabei.


Hier in Uruguay bedeutet das, man fährt mit seinem Auto, Frau, Kindern und jede Menge Verpflegung die Strecke entlang, bis man eine ungenutzte Einfahrt zu einem Gelände findet. Dann macht man das Tor auf, und stellt sich mit seinem Auto so hin, dass man alles bequem durch die Windschutzscheibe verfolgen kann. So hat auch der Einheimische hier endlich mal die Sportschau auf einem 60 Zoll Bildschirm, ohne dabei in der Kneipe zu sitzen.

Ich hatte mir eine schöne Kurvenkombination ausgesucht, an der schon einige Schaulustige warteten. Ich erhoffte mir spektakuläre Drifts und 
vielleicht ein bisschen zu recycelndes Material.

Während in anderen Ländern die Zuschauer den Fahrern ihre Anerkennung und ihr Vertrauen zum Ausdruck bringen, indem sie sich 30 cm neben die Rennstrecke stellen, ist der Uruguayer eher zurückhaltend neugierig und hält ein wenig Abstand. Wahrscheinlich, um nicht den ganzen aufgewirbelten Staub und Dreck in seinem Matebecher zu haben.

Mithilfe von batteriebetriebenen Radios, die am Zaun neben der Tüte mit dem Gebäck aufgehängt werden, oder über Autoradios, die über zusätzliche Lautsprecher auf dem Kofferraumdeckel die Umgebung beschallen, wird Motorsportatmosphäre verbreitet.

Man unterhält sich, trinkt Mate, isst und genießt die Natur. Die Rally ist eher Nebensache oder vielmehr ein Anlass, mal rauszukommen. So scheint es mir jedenfalls.

Schaulustige
Schaulustige

Das Rennen an sich ist schnell beschrieben. Waghalsige Piloten prügeln ihre Gefährte über die lehmigen Pisten und durch die glitschigen Kurven, es ist bunt und macht Krach. Ca. alle 5 Minuten kommt ein Auto an und nach 90 Minuten vorbei.

Das Safetycar ist noch nicht vorbei, da zücken die gut Vorbereiteten ihre Zeitpläne und geben Anweisungen, wo es als nächstes hingeht.

Jeder schnappt sich seine Thermosflasche und seinen Matebecher, und nur Sekunden später sieht die Rennstrecke aus, wie eine Landstraße im Rheingau an einem sonnigen Wochenende.

Es gab von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr noch eine zweite Runde auf dieser Strecke, doch ich hatte das beruhigende Gefühl, dabei gewesen zu sein, und es war unwahrscheinlich, dass sich die zweite Runde von der ersten erheblich unterscheidet.

Außerdem musste ich mich zu hause um die Kollateralschäden kümmern…

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