Full moon Party

Bis letztes Jahr gab es in der Nachbarcommunity immer Vollmondfeste. Das waren monatlich kleine Konzerte mit Essen, Getränke und einer Teilnehmerzahl, dass für die Feste sogar Eintritt verlangt wurde. Im Sommer kamen die Gäste sogar vom 30 km entfernten Las Palmas, einem Urlaubsort, in die Berge.

Mondaufgang
Mondaufgang

Doch wie das oft ist, benötigen wachsende Events auch mehr Organisatoren und dann kommt der Punkt, an dem viele Köche den Brei verderben.

Die großen Parties gibt es nicht mehr. Dafür macht die Community, in der ich gerade wohne, ihre eigenen kleinen Vollmondfeste.

Ein bisschen fühle ich mich dabei wie bei den Mondfesten in World of Warcraft, und nicht so virtuell. Lagerfeuer, 3 Trommeln, eine Gitarre, und jeder bringt etwas zu Essen oder zu Trinken mit. Die Gruppengröße hängt von vielen Faktoren ab, aber ca. 15 Personen ist Durchschnitt.

Beim Essen steht das Teilen im Vordergrund. Dauernd geht irgendetwas im Kreis rum. Ein Teller mit Erdnüssen, die gerade vom Feuer kommen, Brot, ne Flasche Bier, ein Teller mit Fleischstücken, ebenfalls gerade vom Feuer genommen, und, ihr habe es sicher schon vermutet, das lustige Pfeifenkraut. Dabei wird selbstverständlich geredet. Keine Ahnung, über was, aber es müssen viele verschiedene Themen sein.

Trommen trocknen am Lagerfeuer
Trommen trocknen am Lagerfeuer

Nach dem Essen sind die Trommelfelle am Feuer soweit getrocknet, dass sie spielbar sind. Dann wird gemeinschaftlich musiziert. Dass das gemeinschaftliche Trommeln sogar gesundheitsfördernd ist, hinreichend bekannt. Dabei habe ich aber nicht den Eindruck, dass es sich um die Reproduktion alter, archaischer Kulthandlungen handelt. Ich habe eher das Gefühl, dass es sich um eine eigene Kultur handelt, die aus der Abwesenheit von elektrischem Strom, also der zwangsläufigen Abwesenheit von Unterhaltungsmedien, entstanden ist.

Gespenstische Atmosphäre ^^o^^
Gespenstische Atmosphäre ^^o^^

Abgesehen davon, dass jeder hier mindestens zwei Handwerke, vielleicht nicht meisterlich beherrscht, aber immerhin ausübt, können alle irgendwie singen, trommeln oder Gitarre spielen. Und ich habe nur wenige Gäste hier gesehen, die das nicht auch konnten. Im Sommer gab es einige Abende, an denen bis in die Nacht die Trommelrhythmen aus verschiedenen Richtungen über die Berglandschaft legten.

Zaungäste
Zaungäste

Mir, mit meiner europäischen, oder speziell deutschen Grillkultur, erscheint das ausgesprochen ungewohnt und exotisch. Doch wenn ich mich an die ein oder andere Fleisch- und Biervernichtende Orgie der Völlerei in meiner Vergangenheit erinnere, muss ich gestehen, ich fühle sich am nächsten Tag einfach besser.

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