Gewitter

Wer in Berlin schon mal Silvester gefeiert hat, kennt die Atmosphäre, die sich ab Sonnenuntergang über die Stadt legt: Ununterbrochen rumpelt es, mal von fern, mal von nah, und der dunkle Himmel wird laufend von Blitzen durchzuckt. Der Knall der Raketen und Kracher bricht sich in den Häuserschluchten und wird zum allgegenwärtigen Gewummer.

Diese Situation nennt man in Uruguay Gewitter. Eine Südwest Wetterlage, die sich und alles andere gewaschen hat…

Freitag, 15.04.2016

Von ca.14:00 Uhr bis 18:30 Uhr hat es heute ununterbrochen gedonnert. Und dabei meine ich nicht, dass es gedonnert hat, dann waren ein paar Sekunden Pause, und dann hat es wieder gedonnert. Nein. Der eine Donner gibt dem anderen die Hand und das Geräusch legt sich wie eine Hintergrundmusik über die Landschaft. Zeitweise jagen sich Blitze im weniger als Sekundentakt.

Über einem, vor einem und neben einem. Es blitzt überall. Ein starker Wind tut das Übrige, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der man zwangsläufig das alte englische Anwesen sucht, dass natürlich schwarz-weiss sein muss.

Einige Zeit ergießt sich ein tropischer Regen über das Land, dann ist die Luft wieder knochentrocken. Das Farbspiel, dass sich bei Sonnenuntergang ergibt ist unbeschreiblich, da mehrere Wolkenarten in unterschiedlichen Ebenen über den Himmel ziehen. Von Blutrot über kräftiges Violett bis hin zum tiefen Grau mit vereinzelten himmelblauen Flecken ist alles vorhanden.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang
Abendstimmung
Abendstimmung

Fast habe ich den Eindruck, als hätte Mutter Erde ein Grafikupdate bekommen und nun probiert sie mal alle neuen Effekte und Filter aus.

Meine Lumix G 70 Kamera hatte irgendwelche Schwierigkeiten, denn die Blitze störten das Display und irgendwie auch die Elektronik, denn teilweise hat sie einfach mal überbelichtet oder auch gar nicht mehr ausgelöst. Der Landschaftsmodus machte einfach keine Bilde mehr, obwohl alle Werte im grünen Bereich waren.
Aber auch der Hausstrom hat entsprechend gelitten. Immer, wenn es blitzte, ging kurz das Licht aus. Zwischendurch flackerte es. Somit hatte ich auch als Drinnengebliebener das Flair eines alten englischen Anwesens. Schwarz-weiss versteht sich.
Um 19:10 Uhr war der Strom dann ganz weg, aber nur ein paar Minuten. Wie gut, dass ich mir gerade ein 12er Pack Kerzen gekauft habe…

Gegen 19:00 Uhr, zum Sonnenuntergang beruhigte sich die Situation ein wenig, doch das Blitzlichtgewitter in der Ferne ging bis 03:00 Uhr Nachts.

Samstag 16.04.2015

Am Samstagmorgen wieder Sintflut.

Die Wassermassen, die vom Himmel stürzten waren so stark, dass es unmöglich war, das Haus zu verlassen, nicht mal in den paar Momenten, wo der Regen für eine halbe Stunde „deutsche“ Verhältnisse annahm.

Landunter
Landunter

Das Wasser, das den Abhang zum Haus heruntergeströmt kam, staute sich an dessen Südseite und bildete einen See, dass ich doch raus musste, um mit einer Hacke einen Entwässerungsgraben zu ziehen. Das Betonfundament schaute noch 2 cm aus dem See heraus und es fehlte nicht viel, dass das Wasser die Lehmziegel erreicht hätte. Der Boden um das Haus herum hat sich in eine Schlammgrube verwandelt.

Gegen Mittag eine 3 Stündige Pause mit einem Anflug von Sonnenschein. Zeit, das Haus zu verlassen, und die Gegend zu erkunden.

Nele auf der kleinen Brücke
Nele auf der kleinen Brücke
Die kleine Brücke
Die kleine Brücke

Die kleinen Flüsse und Bäche, die das Gelände durchziehen, sind zu Wasserlandschaften angeschwollen, der Wasserstand ist gute 4 Meter höher als gewöhnlich!

Die kleine Brücke an der Straße, die durch die Baumaßnahmen der Rally in Mitleidenschaft gezogen, und dann repariert worden war, führt nun unter dem Fluß durch…
Die Brücke, die in die Berge führt, wurde vom Fluss überrannt.
Ich traf dort einen Nachbarn, der mit mitteilte, dass der Wetterbericht angekündigt hat, dass das Wetter die nächsten vier TAGE(!) so bleiben wird!

Die Brücke in die Berge.
Die Brücke in die Berge.
Die Brücke in die Berge
Die Brücke in die Berge

Am späten Nachmittag war das Gewitter wieder da und direkt über mit. Bei jedem Blitz ging das Licht für eine Sekunde aus, einmal blitzte und knallte es im Sicherungskasten! Ich befürchtete, einen verschmorten Plastikklumpen vorzufinden, wurde aber von einem tadellosen Kasten überrascht. Nicht mal eine Sicherung war draußen und der Geruch von verbranntem Plastik fehlte gänzlich. Das Licht ging nach einiger Zeit auch wider. Ich habe keine Ahnung, was das war, doch das Phänomen sollte sich am Sonntag noch mal wiederholen.

Der Schornstein, der offensichtlich in großer Eile und ohne Verstand montiert worden war, lieferte mit mittlerweile Regenwasser frei Haus. Ich hatte eine Pfütze im Kamin…
 Also mit meinem Survivalmesser bewaffnet, raus und Unwetter, und den Schornstein abgeschnitten.

Das GERBER LFM II geht durch 0.8 mm verzinktes Blech wie durch Butter. Nach gefühlten 40 Sekunden war der Blechkasten Geschichte und der Kamin am trocknen.

Plötzlich Blitz, Donnerknall in nächster Nähe, Licht aus!
Ich zählte die Kerzen. Ob die für vier Tage reichen? Nach 2 Stunden war der Strom wieder da.
Ich frage mich sowieso, wie das Stromkabel, das von der Straße kommt, das mitmacht. Es verläuft in einen Meter Höhe über dem Bach. Dabei ist mit U-Schellen an einen locker gespannten, 1mm durchmessendem Stahlseil befestigt. Jetzt dürfte es gut 3 Meter unter der Wasseroberfläche verlaufen. 
Meine Dankbarkeit ist grenzenlos.

Das ist das Stromkabel, das mein Haus versorgt. Es verläuft hier ca. 1 Meter übern einem Bach.
Das ist das Stromkabel, das mein Haus versorgt. Es verläuft hier ca. 1 Meter übern einem Bach.

Die Nacht zum Sonntag verlief wie die vorige Nacht, mit Blitzlichtgewittern in der Ferne und gemütlichem Regengeprassel.

Wolkenbilder
Wolkenbilder


Sonntag, 17.04.2015

Der Sonntagmorgen zeigte sich etwas ruhiger. Um 10:00 Uhr bekam ich sogar Besuch! Stefan, der deutsche Geologe, den ich hier bei seinen Forschungsarbeiten kennen gelernt hatte, wollte sich bei mir verabschieden, er flog wieder nach Deutschland.

Er hinterließ mir noch Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln und ein paar andere Nahrungsmittel, sowie eine Luftaufnahme der Umgebung. DANKE!

*Lieber Stefan, an dieser Stelle noch mal ein schriftliches Dankeschön. Und wenn dein deutscher Prof moniert, dass du die letzten 100 Messungen aufgrund des Wetters nicht machen konntest, schick ihm einfach den Link zu diesem Artikel. Wofür gibts denn das Internet… ;-)*

Um 12:00 Uhr wieder Besuch. Kessine, meine deutsche Nachbarin mit ihrem Sohn. Die kleine Brücke an der Straße muss also wieder passierbar sein. Von ihr bekam ich die frohe Botschaft, dass ich wohl der einzige Haushalt in der Umgebung bin, der noch über elektrischen Strom verfügt.

DANKE! DANKE! DANKE!

Weiterhin sei die Hängebrücke, die in die Berge führt und die gestern noch in den Seilen hing, endgültig den Bach runtergegangen. (Ist es nicht toll, wenn alte Floskeln eine Situation so treffend beschreiben?)

Irgendwann am Nachmittag ging es wieder los, und nun, um 21:30 Uhr, zucken Blitze in der Ferne und Regen prasselt auf das Dach. Hin und wieder ein Donnerschlag in der Nähe, aber nicht mehr so bedrohlich, wie die letzten zwei Tage.


Montag 18.04.2016
Durchgehend Regen. Zwischendurch mal zwei Stunden, ohne Regen, aber dafür zogen die Wolken von den Bergen rüber und hüllten alles in feinen Nieselregen ein.
Nachts Sturm.

Jiva schläft...
Jiva schläft…
Nele in Sicherheit
Nele in Sicherheit

Dienstag, 19.04.2016

Der Tag verlief hell und freundlich, auch wenn die Sonne von dicken Wolkenbergen versteckt wurde.
Wegen „Unwetterwarnung Rot“ blieben alle öffentlichen Gebäude wie Schulen, Banken und Verwaltungen geschlossen. In Rocha soll eine Frau beim Versuch, über eine Brücke zu gehen, ertrunken sein.
In der Nacht Stürmte es wieder.

Mittwoch, 20.04.2016

Das Wetter bessert sich, ich kann das erste Mal für ein Paar Stunden das Haus verlassen. Während Java, die braune Jagdhündin, ständig draußen romgeflitzt ist, hat Nele die kompletten Tage auf ihrer Couch verbracht. Ihr entzündetes Hinterbein ist so dünn geworden, dass ich jetzt erst mal mit Lauftraining beginnen werde.

Einige sagen, dass sein ein 10-Jahresunwetter gewesen, andere sagen, das ist jedes Jahr so. Die Straßen und Brücken sind alle reparaturbedürftig, Schlaglöcher und ausgewaschene Rinnen, wohin man blickt, aber das Leben kommt wieder langsam in Schwung…

4 Gedanken zu „Gewitter“

  1. Lieber Tobi, seit Wochen lese (und höre) ich mit großer Freude Deine Berichte – und ich möchte Dir heute (zum Tag der Erde – wie passend) endlich auch mal ein Feedback und Lebenszeichen schicken.
    Es ist sehr spannend über Deinen Blog an Deinen Erlebnissen und Gedanken teilhaben zu können. Du hast eine schöne Art mitzuteilen, was Dich bewegt … und ein gutes Händchen, was die anschauliche Aufarbeitung in Texte, Bilder und Videos (mit musikalischer Untermalung) angeht – danke dafür 🙂
    Ich sende Dir und Nele (und Jiva, wenn sie noch bei Dir ist) sehr herzliche Gedanken und drücke fest die Daumen, dass es Nele bald wieder gut geht – und dass die Sonne sich mal wieder blicken lässt 😉
    Alles Liebe aus dem frühlingshaften Wiesbaden von Nadine

    1. Liebe Nadine,
      ganz lieben Dank für deine Rückmeldung! In der letzten Zeit haben sich die Prüfungen gehäuft, aber nun geht´s weiter. Mit Berichten, Fotos und Videos!
      Und wenn die Sonne nicht hierher kommt, geh ich eben hin 😉

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