Trockenfleisch III – Unterschätze Nachbarn

Bei der letzten Trockenfleischproduktion hat es eine interessante Wendung gegeben. Nach ungefähr 3 Stunden praller Sonne änderte sich das Wetter und Wolken zogen auf, es wurde feuchter.
Das Fleisch war an der Oberfläche schon trocken, aber das Fett und Bindegewebe waren noch frisch.

Die Rotkopfschmeißfliege (Ich hab sie mal so genannt) nutze die Gelegenheit, um nicht nur ihr eigenes Leben durch Nahrungsaufnahme zu verlängern. Durch reichhaltige Eiablage drang sie gleich darauf, ihren ganzen Bestand zu sichern.

Dafür nutze sie die kleine Nischen, die sich z.B. zwischen Muskelfleisch und Bindegewebe oder Fett bilden. Lauter kleine Taschen voller kleiner weißer Fliegeneier. Die Länge liegt knapp unter einem Millimeter, der Durchmesser ist wesentlich geringer.
Sollte ich nun ungefähr 1,5 Kg Frischfleisch ungenutzt meinen quirligen Nachbarn überlassen?
Eher nicht. In der Kriminalistik gibt es Biologen, die aufgrund von Larven und Fliegen an einer Leiche z.B. den Zeitpunkt des Todes oder andere nützliche Angaben machen können.

Somit war das Bio-Lernlabor eröffnet!

Tag zwei: Alles ruhig.

Die Larven erscheinen noch wie am ersten Tag. Aufgrund mangelnder Messwerkzeuge konnte ich keine signifikanten Unterschied erkennen.

Tag drei: Erste Aktivitäten

Die ersten Nestflüchter sind unterwegs. Ein paar Larven haben sich in Maden verwandelt. Ihre Größe ist etwa die Hälfte größer als die Larve selbst aber im Verhältnis sind sie dicker. Ein Ende, ich vermute, der Kopf, rotiert kreisförmig in der Luft herum, als wolle er erkennen, in welcher Welt und als was er er diesmal hier gelandet ist.

Ein paar Ameisen haben das Trockenfleisch entdeckt. Ein Expeditionstrupp erkundet und kartografiert vermutlich auch meinen Holzkasten.

Tag vier: Ameiseninvasion.

Ein ganzes… nein… ganze Heerscharen von Ameisen haben sich über das Trockenfleisch ergossen! Schwarzes Gewimmel wohin man blickt, hin und wieder ist ein Stück Fleisch zu sehen.
 An der Seite eines Stranges hängt noch ein Stück, dass recht dick und fettig ist, und somit nicht gut getrocknet ist. Es sieht aus wie eine Kirchenruine nach einem Bombenangriff. Die ursprüngliche Form ist noch zu erkennen, aber alles ist durchlöchert und weggefressen.

Tag fünf: Trockenfleisch

Verwunderung ergriff mich, als ich mich um mein Biolabor kümmern wollte. Das Trockenfleisch prangt, bis auf einige kleine Ausnahmen, in der Sonne des neuen Tages. Vereinzelt patrouillieren Ameisen auf der Angelschnur, auf der das Fleisch aufgefädelt ist.
Fliegenlarve oder Maden sind nicht zu sehen. Keine einzige! Alles weg!

Ich vermute, dass meinem militant organisierten Nachbarstaat die lebendige und vor allem weichere Eiweißquelle mehr zugesagt hat, als das harte Rindfleisch.
 Ich nutze noch die Mittagssonne bis in den Nachmittag, dann schüttelte ich die restlichen Ameisentrupps vom Fleisch ab und ließ Nele etwas probieren.
Da das Probieren in hemmungslose Völlerei ausgeartet ist, sah ich mich dazu veranlasste, die Ernte als „gut“ einzustufen.

Danke liebe Ameisen!

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