Heldenreise

Ich hatte irgendwann mal gehört, dass es so ein „Konzept Heldenreise“ gibt, dachte aber eher, dass sei was für Autoren und Filmemacher. Irgendwie ein dramaturgischer Ablauf, dessen Muster in Star Wars und vielen anderen Filmen auftaucht.
Was ich aber nie gedacht hätte ist, dass dieses Muster auch mein Leben bestimmen sollte.

Ich sitze jetzt, im Mai 2016, seit drei Monaten in Uruguay, nachdem ich in Deutschland meine Zelte abgebrochen habe.

Über eine Work and Travel Plattform bin in die Berge von Rocha, Uruguay gekommen.
Ich sitze nun in einer Baustelle in einer Permakulturgemeinde in den Bergen, ohne Ofen, mit primitivsten Werkzeugen.

Abgemacht war, dass ich bis September hier bleibe, und am Haus arbeite, dafür kann ich kostenfrei wohnen.
Der Besitzer ist Geld verdienen in Europa und kommt im September zurück.
Alles, was vorher so toll geklappt hat, schien sich nun gegen mich zu gewendet zu haben. Baumaterialien kommen nicht, sind unbrauchbar oder nicht vollständig, das Wetter bringt immer wieder Verzögerungen, mein Hund ist krank und ein zweiter, der alles richtig aufmischt, ist dazugekommen.

Den mögen aber die Nachbarn nicht.

Das Haus ist feucht, Vorräte verschimmeln, eine Woche keinen Strom gehabt und jetzt noch ne dicke Erkältung dazubekommen.
Ich würde sagen, das volle Programm.

Die Frage, die sich mir stellte war:
treu den Auftrag zu Ende führen, oder in den Sack hauen? Pflichtbewusstsein versus Selbstwertschätzung.
Aufgeben oder „an den Herausforderungen wachsen“?

Bin ich nicht vielleicht gerade hier, um besseres Projektmanagement zu erlernen, um nicht so viel kreativ zu spinnen, sondern das harte Leben zu meistern? Oder bin ich hier, damit ich lerne zu sagen: “Bis hierher und nicht weiter!“?

„Ich bin mir für das Leben hier zu schade, ich habe besseres verdient!“ – „Habe ich das? Womit habe ich etwas besseres verdient, wenn ich nicht mal das hier auf die Reihe bekomme?“


Vorgestern habe ich gedacht: Ich reise weiter. Ich wusste nicht wie oder wohin, Hauptsache weg. 
Und schon meldete sich gestern ein Host aus Brasilien, der einen Mechaniker sucht.
 Die Entscheidung war nun gefallen, der innere Zwist aber noch nicht beigelegt.

Auf Facebook machte ich heute eine interessante Entdeckung. Auffällig oft hatte ich Kirsten Steins Veranstaltung „Heldenreise“ in meiner Timeline.
 Heldenreise hatte ich vor ein par Jahren mal gegoogelt, das schien mir ein Konzept für tolle Geschichten zu sein, das von Autoren und Filmemachern genutzt wird. Wieso kommt das genau jetzt in meine Aufmerksamkeit? Und dann hatte die Veranstaltung 150 Interessenten, was mir auffällig hoch erschien?
Also noch mal google anwerfen und Heldenreise suchen.

Die Archetypen der Heldenreise …aha… da gibts nen Mentor… der, der dem Protagonisten weiterhilft, da er selbst schon eine Heldenreise abgeschlossen hat. 



DER MENTOR
Mentoren bilden den Helden aus, sie schützen und unterstützen ihn und geben ihm eine Gabe, die er im weiteren Verlauf der Reise braucht, um sie zu bestehen (das Leuchtschwert, das Obi Wan Kenobi Luke Skywalker überreicht – vermutlich die berühmteste Gabe der Filmgeschichte).

Toll… und wo war meiner? Dank Andreas Mertens und Kaju, dem Trauringflüsterer hatte ich sogar ein magisches Artefakt, aber den Mentor… den hatte ich irgendwie vergessen.

Kaju un dAndreas beim Erstellen des Artefaktes
Kaju un dAndreas beim Erstellen des Artefaktes

Also, noch mal zu Heldenreise zurück. Suchmaschine Nummer zwei: Youtube.
und Zack! Wie scheinbar in jeder Heldenreise, kommt alles genau zum richtigen Zeitpunkt! Auch die Mentoren…
Erster Treffer ein Video mit bisher 221 Aufrufen.



Stufe 1…. hab ich … Stufe 2 ebenfalls…

Stufe 3: Widerstand/Prüfungen

Widerstände prüfen die Ernsthaftigkeit, mit der der Protagonist seine Ziele verfolgt. 
Hier scheidet sich die Spreu vom Weizen. Weitermachen oder aufgeben.

Die Stufen scheinen von verschiedenen Autoren unterschiedlich interpretiert und gesichtet zu werden. Auf der Seite Heldenreise-Muenchen.de habe ich ein schönes Bild zum Ablauf gefunden.

Der Kreislauf der Heldenreise
Der Kreislauf der Heldenreise

Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Positionen aber ich hier gefunden.

Ziele? Ziele… was waren denn noch mal meine Ziele?

Verdammt ja! Ich will reisen, tolle Sachen erleben, und ein interaktives Ebook für Kinder machen!
Ich will fotografieren und Geschichten erzählen,
ich will was erLEBEN und nicht in ner kalten Bude hocken und aus Scheiße weiße Schokolade machen, die ein halbes Jahr später eh wieder braun wird.

Ich bin doch kein familienaufstellendes Technisches Hilfswerk!
 (Danke an Michael Wald für den Ausdruck)
Tobysseus hat den Gesang der Sirenen erkannt und seine Magie gebrochen.

Und dafür möchte ich meinem unbekannten Youtube Mentor und allen anderen, die das Thema im Internet öffentlich machen, meinen tiefen Dank aussprechen.

Und jetzt guck ich mal, wie ich hier weg komme…

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