Auf nach Brasilien – Die Wanderung

Um 07:30 Uhr war Jiva wach und starrte mich so intensiv an, dass mir keine andere Wahl blieb, als ebenfalls wach zu werden.
Das war aber auch in Ordnung, denn heute wollte ich ja weiter. Auf nach Brasilien!

Mein Plan war, an die Hauptstraße No. 10 zu gehen, um dann per Anhalter weiter Richtung Chuy zu fahren…

Gepackt hatte ich am Vorabend, nach einem kurzen Frühstück packte ich noch die Ladekabel ein, bezahlte die Übernachtung und machte mich auf, Richtung Landstraße. Ich hatte mich von ein wenig Gepäck getrennt, da ich es als zu peinlich empfand, den Rucksack nicht alleine anziehen zu können. Ich schätze, das Gewicht liegt immer noch um die 30 kg, ist aber tragbar. Kleinkram für den Schnellzugriff habe ich in Neles Transporttasche, an der ich auch die Leinen befestigt habe.
Aufgrund Jivas Situation möchte ich sie nicht laufen lassen, und dass Nele 2 Meter hinter mir geht, möchte ich auch nicht riskieren. Es hat ein Bisschen gedauert, aber nach einer Stunde wussten die beiden, wie es am besten läuft.

Die Nacht war kalt, also trug ich einen Fleecepullover und eine Jacke, was schnell dazu führte, dass die Wanderung unbequem wurde. Der kalte Wind wechselte sich mit einer milden bis warmen Sonne ab, die zusammen mit dem Gepäck für Schweißausbrüche sorgte. Relativ schnell hatte ich den nassen Fleecepullover ausgezogen und trug nur noch ein nasses T-Shirt mit der Jacke drüber.

On te Road
On the Road

Ich verließ den Stadtkern von La Paloma und kam in die außenliegenden Gebiete, die von Ferienhäusern geprägt waren. Ein Bisschen wie die Randbereiche der Touristengebiete auf Mallorca. Und kein Mensch auf der Straße. Ab und zu ein Reisebus, ein LKW oder ein Hausbesitzer, der den Winter nutze, um sein Ferienhaus auf Vordermann zu bringen.
Ansonsten tot, ausgestorben, leblos…

Ich hatte noch gut 2 km bis zur Landstraße, als mit ein Platzregen überraschte. Bevor ich den Rucksack ausgezogen hatte, um meine Regenjacke anzuziehen, war ich komplett durchgeweicht. Nele hatte sich in ihre Transporttasche geflüchtet, Jiva suchte Zuflucht im Schatten des ausgezogenen Rucksacks.

Nach 10 Minuten war der Guss vorbei und es blieben Wolken und der kalte Wind.
Weiter Richtung Landstraße. Im Schatten einer Mülltonne suchten zwei kleine schwarz-weiße Hundewelpen zitternd vor dem Wetter Schutz. Ich dachte nur:“Ich weiß, wie ihr euch fühlt…“
Und ich überlegte mir, wie es in solchen Situationen den Obdachlosen oder gar den Menschen geht, die aus Kriegsgebieten fliehen.

Nach einiger Zeit kam ich an die Landstraße. Eine zweispurige Asphaltbahn führt Richtung Norden, ein staubiger Fußweg verläuft parallel dazu in 4 Metern Entfernung. Keine gute Voraussetzung, um beim Laufen auf Anhalter zu machen. Entweder laufen oder irgendwo hinsetzen. Ich entschied mich für das zweite, suchte aber nach einer geeigneten Stelle.

So lief ich an zu verkaufenden Grundstücken, einer alten Zimmerei und einigen heruntergekommenen Häusern vorbei, bis ich zu einem Kiosk kam.

Der "Kiosk der Verehrer"
Der „Kiosk der Verehrer“

„Wundervoll!“ dachte ich. Drinnen ist es warm, es gibt was zu Essen und zu Trinken und die Möglichkeit zur Rast. Doch gerade als ich den Rucksack ausgezogen und die Hunde festgemacht hatte, kam schon der erste Freier auf Jiva zugelaufen. Er gehörte anscheinend zum Kiosk oder zu einem der heruntergekommenen Häuser.

Der Kiosk war mehr ein kleiner Supermarkt mit dem Charme und der Wärme einer Lagerhalle.
Ich war ein wenig demoralisiert und beschloss, mir eine Unterkunft zu suchen.

In 4 km Entfernung zeigte mir Google Maps ein Hotel an. Der Anruf klärte schnell, dass es geschlossen ist. Wie fast alles hier. Allerdings konnte mir die Dame am Telefon eine andere Unterkunft nennen, die auch im Winter geöffnet ist. Das „La Casa de la luna“.

Casa de la Luna
Casa de la Luna

Das Telefonat verlief kurz:
Ich: „Haben Sie ein Zimmer für eine Person und zwei Hunde?“
Sie: „Klar! Wann wollen sie kommen?“
Ich:“Ich bin 5 km südlich von Ihnen. In 2 Stunden bin ich da.“
Sie:“Wo genau sind sie?“
Ich:“In dem Kiosk Routa No. 10″
Sie:“OK. Wir kommen sie abholen!“

20 Minuten später hielt ein weißer VW Bulli T1 auf dem Parkplatz, lud Gepäck, Hunde und mich ein, und weiterer 5 Minuten später hatte ich eine neue Unterkunft.

Ein Hauch von Griechenland
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Fast wie in Second Life....
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Häuser in den Dünen
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Die Aussicht aus meiner Tür... Grün und Blau
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Christliche Nachbarn
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Alternativer Wohnungsbau wohin man sieht
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