Auf nach Brasilien – Impfungen für Hunde

Datum: 31.Mai 2016

Wenn man sich dazu entschließt, eine Entscheidung zu treffen, kann es durchaus passieren, dass das Leben einem mehr hilft, als man erwartet.
Ähnlich dem Spruch „Sein vorsichtig, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen!“

Ich wollte heute die für Brasilien nötigen Impfungen und Reisepapiere zu bekommen.
Also auf zum Tierarzt…


Warten auf den Tierarzt
Warten auf den Tierarzt


Ich kannte ihn schon vom letzten Mal, als es Nele nicht so gut ging. Er gehört definitiv zu den Menschen, von denen ich weiß, dass genau sie und niemand sonst an dieser Stelle in diese Situation gehören. José Luis Martinez ist Ende 50 ca. 1,80 m groß und wiegt gute 140 kg.
 Er hat ein freundliches, rundes Gesicht mit braunem Schnauzbart und kurzes dunkles Haar.

Er betreut seit ewigen Zeiten sehr viele der Bauernhöfe und Rinderfarmen in den Bergen. Diese Arbeit hat ihre Spuren hinterlassen. Er sieht so aus, als könne er eine Kuh mühelos dahin schieben, wo er sie haben will.
Als er Nele das erste Mal untersucht hat, hatte ich ein Bisschen Bammel, weil sein kleiner Finger dicker als mein Daumen war. Nele verschwand regelrecht unter seiner Hand…
 Trotzdem hat er eine Zange mit Tupfer vorne dran mit chirurgischer Präzision in Neles Ohr gesteckt, um es zu reinigen.

Da ich damals kein Geld hatte fragte ich ihn, ob ich ihm die Behandlungskosten per Onlinebanking überweisen könne. Es ging um 500 Pesos, also knapp 15 Euro. Er nickte und schrieb mir seine Bankverbindung auf die Rückseite der Visitenkarte….

Ich habe dann später Bar bezahlt, weil ich nichts lesen konnte und keine Ahnung hatte, wie ich ohne Bankleitzahl etwas überweisen soll.


Aber heute ging es ums Impfen und die Papiere.

Chefsessel
Chefsessel

Von Olga, der baskischen Auswanderern, hab ich das Auto geliehen bekommen. Einen Berlingo mit genug Platz für die beiden Tierchen. Leider konnte ich mit Jiva noch kein Autotraning machen, was dazu führte, dass sie vor lauter Aufregung ihr Frühstück im Kofferraum gelassen hat. Nele saß auf dem Beifahrersitz und hat sich die Gegend angeschaut.


Der Tierarzt hatte etwas Verspätung, da er noch einen Notfall behandeln musste. Nach einer Halben Stunde um 12:00 Uhr erschien er jedoch, schloss seine Praxis für die Siestazeit ab und kümmerte sich ganz entspannt um mein Anliegen.
 Voller Pflichtbewusstsein und Neugierde studierte er Neles Impfpass wie ein Artefakt aus einer fremden Welt. Dann bekamen die beiden ihre Spritze und Jiva ihre Papiere.

Nele bewacht das Futter
Nele bewacht das Futter

„Sie müssen nun noch zum Amtstierarzt für die internationale Bestätigung“ klärte er mich auf. Ich nickte. „Sie wissen sicher nicht, wo sie da hin müssen…“ Ich nicke mißmutig. 
“Nächste Straße rechts, einen Block weiter, erste Tür auf der linken Seite. Ganz einfach.“
 Er griff nach dem Telefon. Ich hörte irgendwas von Dr. Anna, einem Deutschen mit zwei Hunden und Brasilien. Nach 5 Minuten bedankte er sich und legte auf.


Ich erfuhr, dass die Bearbeitungsgebühr für das Amtliche Dokument 887 Pesos pro Hund beträgt und das das Geld überwiesen werden müsse. Bevor ich mir überlegen konnte, wie ich das löse schlug er mir vor, das Geld online zu überweisen und mir den Beleg mitzugeben. Dann könnte ich direkt zum Amt und die Dokumente mitnehmen. Ich bezahlte bei ihm dann zusammen 2832 Pesos, ca 80 Euro und bekam die Quittung der Onlineüberweisung.


Keine 5 Minuten später erreichte ich das Veterinärsamt. Drei junge Damen saßen in einem Eckhaus aus den 20er Jahren, das seine besten Zeiten hinter sich hatte. Ein Aktenschrank, der selbst in deutschen Verwaltungen nicht mehr zu finden ist, zwei Tische mit Computermonitoren und Rechnern darunter, eine Theke. In einem kleinen Nebenraum gab es aber Hightech vom Feinsten. Ein tresorähnlicher Kühlschrank aus Edelstahl für irgendwelche Impfstoffe, die in der Rinderzucht sei Anfang des Jahres vorgeschrieben sind.

Jiva bewacht den Ausgang
Jiva bewacht den Ausgang

Ich musste ein paar Angaben machen, wohin in Brasilien ich genau möchte, wie ich dorthin kommen will und ob ich im Land bleiben oder weiterreisen werde.
Dann gab es einen Stapel Papier, sorgsam zusammengeheftet, mit Stempel und Unterschrift. Dann erfuhr ich, dass ich dann nächste Woche nach Brasilien müsse.
In 5 Tagen, „mehr oder weniger“.


Der Tierarzt hatte die Impfung auf den 20.05. datiert, obwohl heute der 31.5. war. Somit fehlten dem offiziellen Zeitfenster von 15 Tagen, in dem die Impfung für de Einreise gültig ist, 10 Tage. Kurz machte sich ein Anflug von Panik breit… So schnell??!
„Hab Vertrauen, alles wird gut“ meldete sich meine innere Stimme.

Außerdem wurde die Formel „mehr oder weniger“ verwendet.

In einem Land, dessen natürliche Gegebenheiten eine präzise deutsche Planung nur schwer möglich machen, ist die Formulierung „mehr oder weniger“ so etwas wie ein Haftungsausschluss, ein Joker, der Unvorhersehbares ausgleichen soll.

Wenn man in der Schreinerei Bretter bestellt, dann sind die 3,30 m lang, mehr oder weniger. Geliefert werden dann Bretter von 3,10 m bis 3,45 m länge. Für die Breite gilt das Gleiche.


Somit habe ich ab heute sieben Tage, um meine Sachen zu packen, die restlichen Arbeiten fertig zu machen und die 130 km nach Chuy zurückzulegen.

Hab Vertrauen, alles wird gut….

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