Spirituelles II – Atmen als Integration

„Wenn ich gewusst hätte, was man mit der Atmung erreichen kann, hätte ich viel Geld für Drogen gespart!“ (eine Stimme in meinem Kopf)

Es klingt völlig unsinnig, doch das bewusste Atmen ist eines der heftigsten Werkzeuge, die ich hier kennen gelernt habe. Es ist äußerlich völlig unspannend und innerlich unbeschreiblich. Trotzdem möchte ich es hier versuchen.

Zuvor möchte ich jedoch ausdrücklich und unmißverständlich darauf hinweisen, dass es sich hier um einen massiven Eingriff in das Unterbewusstsein handelt. Die vorgestellte Technik ist keine Jahrmarktsattraktion und kein Partyspaß. Sie benötigt entweder eine erfahrene Betreuung oder sehr viel Erfahrung mit dem eigenen Unterbewusstsein, mit seinen Ängsten und Dämonen. Ich verwende absichtlich den Begriff Dämonen, um die Problematik auf der geistigen Ebene zu betonen. Ich habe nach einer Session die Nacht alleine auf einem Berg verbracht, um wieder „runter zu kommen“. In einer Stadt hätte ich wahrscheinlich echte Probleme bekommen. Klar soweit?

Die Technik ist ganz einfach. Man legt sich auf den Rücken, deckt sich gut zu, weil es fürchterlich, und ich meine bewusst FÜRCHTERLICH, kalt werden kann. Dazu lässt man was Musik laufen. Dann fängt man an zu atmen. Aktives, tiefes Einatmen, passives, entspannendes Ausatmen. Dabei ist darauf zu achten, dass keine Pausen zwischen den Atemzügen entstehen. Die Aufmerksamkeit sollte auf die Herzregion gerichtet sein, auf das öffnen des Brustkorbs beim Einatmen. Fortgeschrittene konzentrieren sich auf das Kronenchakra, den obersten Punkt des Kopfes. Das ist alles.
Der Grundgedanke liegt darin, dass der Atem die Grundlage des Lebens ist. Man füllt den Körper also mit Leben, um Krankheiten damit zu heilen. Diese Krankheiten befinden sich aber nicht im körperlichen sondern mehr im seelischen Bereich. Es sind verdrängte, unangenehme Gefühle, Traumata und ungelöste, belastende Probleme, die über den Atmen gewandelt und verarbeitet werden. Dafür müssen diese Ängste und Probleme aber erst mal hochkommen, wodurch man mit ihnen konfrontiert wird. Das kann extrem heftig werden, deshalb auch die Warnung zu beginn.

Kommen wir nun zum unbeschreiblichen Teil.

Ich rekapituliere hier den Ablauf mehrerer Sessions, da es bei mir eine stufenweise Entwicklung war.

Die ertsen 20 bis 30 Atemzüge füllen den Körper mit einer Art „Energie“, was sich anfühlt, als würde die Durchblutung extrem gesteigert. Die Hände fangen an, zu kribbeln, und die Wahrnehmung des Körpers verändert sich. Bei mir entstand zusätzlich ein unangenehmer süßlicher Geschmack im Mund.
Dann beginnt der Körper, kalt zu werden. Es ist eine Kälte, die weitaus unangenehmer ist, als ein feucht kalter Novembertag. Es ist eine Kälte, die aus den Knochen zu kommen scheint.
Das Phänomen nennt sich „Die Erinnerung der Toten“ und so fühlt es sich auch an. So unangenehm das auch ist, es wird weiter geatmet. Je unangenehmer das Gefühl, desto stärker atmen.
Das hört sich erst mal unsinnig an, da das Atmen ja die Ursache für das unangenehme Gefühl ist. Aber man will ja aufräumen, nicht unter den Teppich kehren.
Jeder Atemzug ist im hier und jetzt, alles, was im letzten Atemzug war, ist schon Vergangenheit. So hangelt man sich weiter. Die nächste Stufe war ein „restless leg syndrom“, das unkontrollierte Zucken der Beine, wie es manchmal vor dem Einschlafen der Fall ist.

Mit einem Mal füllt sich die Beckenregion. Es ist, als hätte jemand warmen Honig reingegossen. Das Phänomen weitet sich auf die Beine aus, was bis zum Gefühl einer Lähmung führen kann. Beine und Becken sind so tiefenentspannt, dass ich den Eindruck hatte, auf einer Liege mit einem Winkel von ca 30 Grad zu liegen, nicht mehr auf dem flachen Boden.

Dann geht es richtig rund. Die Hände und Füße fühlen sich an, als hätte jemand rotierende Herdplatten daran festgemacht. Es ist nicht schmerzhaft, es ist einfach nur Energie. Das Selbe passiert im Becken, im Zwerchfell. Unangenehme Erinnerungen und Euphorien kommen hoch, was zu Tränen, Lachen, Weinen und Schreien führen kann. Da wir das Atmen immer in Gruppen gemacht haben, wird man Zeuge der Reaktionen der anderen Teilnehmer.

Es wird plötzlich spürbar, wie sich Blockaden auflösen und das Gefängnis des eigenen Körpers wird ein Stück weiter, freier die Welt wird größer.
Mein bisheriger Höhepunkt war. dass der ganze Körper bis zum Kopf mit dieser rotierenden Energie gefüllt war. Ähnlich wie bei einem Brummkreisel verstärkt jeder Atemzug die Rotationen der einzelnen Zentren im Körper.

Für das, was danach geschah, gibt es viele Ausdrücke, mit denen nur jene, die die Erfahrung gemacht haben, etwas anfangen können. Für alle anderen sind es leere Worte und Bilder ohne Aussagekraft. Ich kann nicht mal genau sagen, was es war, doch ich weiß, dass die Erinnerung daran unglaublich positiv um nicht zu sagen umwerfend, erschütternd, unfassbar war.

2 Gedanken zu „Spirituelles II – Atmen als Integration“

  1. Die letzten Volunteers haben nach der ersten Sitzung auch nicht mehr weiter gemacht. Es kommt einfach zu viel Kram hoch, mit dem man nicht rechnet, und die körperlichen Reaktionen können schon heftig werden. Deshalb ist eine sichere Umgebung und erfahrenes „Personal“ so wichtig.

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