Ein Jahr ist schnell vorbei

Heute ist der erste Todestag meiner Mutter und somit der Geburtstag meines „neuen Lebens“. Denn als ich erkannt habe, wie schnell das Leben vorbei sein kann, und dass es recht unbefriedigend ist, es in einer 75qm Wohnung zu verbringen, einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren und seine Träume mit in die nächste Inkarnation zu nehmen, habe ich beschlossen, meins radikal zu ändern.

„create the life you want“ steht im Banner meines Facebookprofils, und das habe ich gemacht. Ich bin auf dem Weg angekommen, den ich mir schon seit langem gewünscht habe.

Doch es hat viel Kraft gekostet, die Schwelle zu überspringen. Das Auflösen der Wohnung meiner Mutter war der härteste Brocken, da an jedem physischen Gegenstand Emotionen hängen. Und nach 30 Jahren trägt so eine Wohnung Spuren, die wieder beseitigt werden müssen, das war viel Arbeit.
Die Kündigungen, die ich geschrieben habe, waren keine Erleichterung, wie man es eigentlich meinen sollte, es waren Schritte in die Haltlosigkeit. Erst die Kündigungen der Verträge meiner Mutter, dann meine eigenen. Der juristische Hickhack mit denen, die Kündigungen nicht so einfach akzeptieren, oder die Vollmachten nicht anerkennen u.s.w.

Und schließlich der Abschied von den Menschen, die in meinem Leben wichtig waren und mir heute noch wichtig sind.
Von denen, die mich angefeuert haben und jenen, die mein Gehen betrauert haben, von jenen, die mich liebevoll unterstützt haben.
Alles loszulassen, Dinge, Menschen, Orte gelang mir nur im Taumel der Vorfreude auf das, was vor mir liegen würde und in der Angst, mein Leben in unbeweglicher Starre vorbeiziehen zu lassen. Der Angst, mich von Ersatzbefriedigungen betäuben zu lassen, statt vom harten Schlag eines ekstatischen Lebens.

Dann war es so weit. Mit immer noch viel zu viel Gepäck ging es zum Flughafen. Err Wurtz! Ihr Flug war gestern!“ bis heute habe ich die Stimme im Kopf.

Dann neue Menschen, liebe Menschen, lehrreiche Menschen, Abenteuer. Probleme, Ungewissheit, Lösungen. Über die Erlebnisse mit der Bank habe ich immer noch nicht bebloggt, den Entwurf des Artikels habe ich gelöscht. Ich habe gelernt.

Ich habe so viel gelernt, dass das Jahr vorbeigerauscht ist. Ich habe Dinge erlebt, die ich nie zu träumen gewagt hätte, aber die Talstrecken der Achterbahn habe ich genauso mitgenommen.
Neles gesundheitliche Probleme in Uruguay, VVerlustängste und der Segen eines weiteren Hundes mit all seinen Freuden und Tücken.

Ich habe mich entschieden, die Amplituden zu vergrößern, was die Höhen des Lebens höher und die Tiefen tiefer macht. Der Durchschnitt ist aber irgendwie gleich geblieben.

Ich überlege gerade, was ich gesagt hätte, wenn mir letztes Jahr jemand gesagt hätte: „In einem Jahr kaufst Du in Brasilien einen VW Bus für deine Hunde und dich!“… keine Ahnung.

Dann das Bloggen. Ich habe entdeckt, dass mir das schreiben über meine Abenteuer und Erlebnisse Spaß macht und Resonanz findet, und ich Freue mich über jeden Eurer Kommentare hier oder bei Facebook.

Doch trotz Facebook und Email wird vieles zur Erinnerung. Und die Erinnerung „vergoldet“ die Vergangenheit, der Kopf zeichnet ein Trugbild, eine Illusion, die die Gegenwart häßlich erscheinen lässt. Ich habe das Gefühl, dass das eine weitere Lektion sein wird. Die Vergangenheit zu achten und zu ehren und die Gegenwart als unmittelbare Folge der Vergangenheit wertzuschätzen.

Doch momentan trübt der wehmütige Blick meine Wahrnehmung. Trotz aller Erfolge und Hürden, die ich im letzten Jahr genommen habe und die in Summe und Intensität mehr waren, als in meinem ganzen Leben zusammengenommen.

Diese Woche noch Arbeiten, dann gehts nach Sao Paulo, und dann bin ich Besitzer eines VW Busses. Mal sehen, was dann ansteht… jetzt gehe ich erst mal feiern…

2 Gedanken zu „Ein Jahr ist schnell vorbei“

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