Mein Leben mit Shrek

Wer kennt ihn nicht, den grünen Kinohelden, der mit seiner urig-sympathischen Art die Herzen der Besucher und das Herz der Königin erobert hat?
 Er ist sehr bestimmend, trotzdem sensibel, wenn es drauf ankommt hart, aber auch sehr gefühlvoll, wenn es Zeit dafür ist. Ein Lebenspartner, wie viele sich ihn erträumen.

Der einzige Nachteil: Er ist ein Oger!
Ein grünes Fabelwesen mit furchterregender Kraft.

Nun, nach meinem Umzug auf das Nachbargelände halte ich Oger nicht mehr für Fabelwesen. So, wie man manche Menschen sieht und denkt:“WOW! Das ist ein richtiger Zwerg! Mit Bart, Bauch, hoch wie breit… echter, lebendiger Zwerg!“, so habe ich einen Oger gesehen.
Er wohnt neben mir…

Seit meinen früheren Besuchen auf Rollenspielmessen bin ich davon überzeugt, dass es Fabelwesen schon immer gegeben hat, und dass sie irgendwie unwissend unter den Menschen Leben. Wie sonst könnte ich die jungen Leute erklären, 160 cm groß, 110 kg schwer, lange, dichte Harre, oft als Pferdeschwanz oder Zopf getragen, mit einem dichten Vollbart, die vorzugsweise Zwerge spielen.

Oder die schlaksigen Typen, über 185 cm, mit langem blondem Haar, die den Charakter des Elfen bevorzugen. Wenn man mit dieser Brille durchs Leben geht, sieht man noch viele wunderbare Gestalten, die das Leben richtig bunt machen.

Oger im Sonnenuntergang
Oger im Sonnenuntergang

Einer davon ist Geomar, mein Nachbar. Ich habe den Fehler gemacht, und ihm zur Begrüßung auf die Schulter geklopft, wobei ich mir fast die Hand gebrochen hätte. Geomar ist ein Berg, wie die Berge, in denen er aufgewachsen ist. Er misst geschätzte 180 cm, wiegt vielleicht 130 kg, doch er hat nichts „schwabbeliges“. Seine Haut scheint 3 cm dick zu sein, und darunter verbirgt sich Stein.

Eier und Fleischlieferant
Eier und Fleischlieferant

Er lebt mit acht Hunden, sechs Pferden einem Ziegenbock samt Böckchen und ca. 20 Hühnern zusammen, und seit 2 Wochen mit mir.
Eine Beziehung zu den Tieren, wie wir sie kennen, ist für ihn allerdings nicht nötig. Wenn er ein Pferd will, fängt er es mit dem Lasso, und dann geht er dahin, wo er das Pferd hinhaben will. Egal, ob das Pferd will, nicht will, ob es auf dem Rücken liegt oder zur Hälfte eingegraben ist.

Und ich glaube, dass er das sogar mit Kühen, Bullen und Stieren so macht.
Wenn ich ihm Fleischabfälle aus der Metzgerei für die Hunde mitbringe, freut er sich wie ein Kind, und wirft die Stücke vor dem Haus auf die Wiese. Dann lacht er herzlich, erzählt etwas von „Hunde Fiesta“, dreht sich um und geht weg, während sich die Hunde dermaßen um die Brocken schlagen, dass es mehr nach Hundekampf als nach Fiesta aussieht.

Hundeversammlung vor meinem Haus
Hundeversammlung vor meinem Haus

Er hat aber auch eine sensible Seite.
Um seinem Haus einen „künstlerischen Touch“ zu verleihen, hat er Türen und Fenster ca 20° aus der Senkrechten angebracht. Die Tür zur einen Seite, die Fenster zur anderen Seite geneigt.

Auch sind die Regale an der Wand nicht waagerecht, sondern leicht schräg. Beim Betreten des Raumes stellt sich ein sofortiges Gefühl von Seekrankheit ein.

In der Küche hat er eine Tischdecke. Aus Plastiksäcken vom Hundefutter, sodaß hübsche Hundemotive den Küchentisch schmücken, und bei langer Weile kann man noch mal die Zubereitung oder die Inhaltsstoffe nachlesen.
Die Schädel verstorbener Tiere hat er nach Ogerart an einem Stab auf der Weide befestigt, oder am Eingang drapiert.

Der Ogerstab
Der Ogerstab

An seine Stimme allerdings musste ich mich erst gewöhnen. Wer bei solch einem Kerl eine donnernde Stimme erwartet, wird sehr überrascht sein.
Geomars Stimme wird kurz überhalb des Kehlkopfes produziert und ist somit im vergleich zum Körper drei Oktaven zu hoch, doch für die Höhe wiederum zu laut. Außerdem spricht er Monjolo-portugiesisch, einen Dialekt, wie man ihn bei uns in abgeschiedenen bayrischen Alpentälern findet. Mir wurde gesagt, dass wenn ich hier Portugiesisch lerne, mich kein Mensch in Brasilien verstehen wird.

Pinienkerne zum Frühstück
Pinienkerne zum Frühstück

Trotzdem fangen Geomar und ich mit einer Einwohnerin des Source Temples nun einen Sprachkurs an. Da Geomar tolle Pferdetouren anbietet, da er die Gegend kennt wie kein zweiter, will er Englisch lernen. Und ich will Portugiesisch lernen. Reiten gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Also: hinein ins Ogerleben!

Shrek_05