São Thomé das letras

Für die 220 km von Cunha nach São Thomé brauchte ich einen Tag. Das lag hauptsächlich an der Straße, denn viele Steigungen musste ich im ersten Gang fahren. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 70 km/h.
Irgendwann wurde die Straße wieder zum Feldweg, und es wurde richtig langsam.
Aber irgendetwas veränderte sich. Manche menschen behaupten, es sei die Energie der Region. Mir jedenfalls war nach anhalten zu mute. Anhalten und die Ruhe genießen.
Das tat ich drei volle Tage lang…

Dann am Samstag, fuhr ich nach São Thomé in die Touristenhölle! Der Ort liegt auf 1250 Metern Höhe, die Ausmaße belaufen sich auf ca 600 x 400 Meter…. das ist alles.
Charakteristisch für die Region sind die Natursteine, die immer in Platten auseinanderbrechen. Aus denen sind die Straßen gemacht, wahrscheinlich in einer Zeit, in der das Pferdefuhrwerk aktuell war. Sobald ich auf der Straße fahre hämmert mir meine innere Stimme „highway to hell!“ ins Gehirn.

Die eine Tankstelle und der typische Straßenbelag
Die eine Tankstelle und der typische Straßenbelag

Es gibt einen Supermarkt, zwei Kirchen, aber endlos viele Schmuckgeschäfte, Restaurants, Anbieter von Abenteuertouren und Pensionen, sowie Stände und Geschäfte mit „Kunsthandwerk“. Das sind hier Traumfänger in allen Größen, Holzschmuck, Lederbändchen und yogastyle Klamotten.

Die Hauptstraße - Anbieter von Abenteuertouren
Die Hauptstraße – Anbieter von Abenteuertouren

Es ist ein Bisschen wie Malloorca für Menschen mit einer Schwäche für Esoterik und Spiritualität.
Die Energie des Ortes führt auch dazu, dass es hier einen Felsen des Zauberers gibt, in der Nähe soll es Portale zu anderen Dimensionen, Planeten und dem Erdinneren geben. Alles ist geprägt von Spiritualität, Magie und Außerirdischen.

Mein Traum, als ich 17 war...
Mein Traum, als ich 17 war…

Aber auch das irdische will befriedigt werden. Restaurants, Bars und „Discos“, also Kneipen, die einfach laute Musik machen. Der einzige Musikstil hier ist Rock!
Und so wird auch der Sonnenaufgang musikalisch untermalt von AC/DC’s „TNT“ und Nirvanahs „Smells like Teen Spirit“. Von einer Kneipe, vor der morgens um 06:00 Uhr betrunkene Jugendliche tanzen, Gras rauchen oder einfach nur „chillen“…

Sonnenaufgang vor endloser Weite
Sonnenaufgang vor endloser Weite

Der Durchschnittsbesucher ist 25, trägt alternative Neohippiklamotten, hat mindestens 5 Tattoos, eins davon ist ein Traumfänger oder ein OM-Zeichen, und hält ein Bier in der Hand. Falls kein Bier mehr in der Hand ist, hat er einen Zaubererhut Marke „Gandalf der Graue“ auf dem Kopf.

Fast wie im echten Märchen...
Fast wie im echten Märchen…
Kunst und Kitsch
Kunst und Kitsch

Aber auch Motorradfahrer kommen gerne. Vorzugsweise Enduros, die einzige Spezies, die auf diesen Straßen Sinn macht. Eine BMW F 800(oder sowas) mit Fahrer und Sozia im Sicherheitslederkombi mit Freisprechanlage im Helm. (Ich vermute ja, dass der einzige Dialog, der geführt wird ein „Boa! Schatz ! Ist dir auch so heiß?“ ist… )
Und das alles wird durch die UV Strahlung gut durchgegrillt….
Das ist São Thomé das letras, ein verspielter kleiner Ort, der mich an einen Fantasypark für fast Erwachsene erinnert.

Pousada Namasté - die Besitzerin Mara hat sich rührend um mich gekümmert
Pousada Namasté – die Besitzerin Mara hat sich rührend um mich gekümmert
Herrenlose Bierflasche - Sonntag morgen 06:45 Uhr
Herrenlose Bierflasche – Sonntag morgen 06:45 Uhr

2 Gedanken zu „São Thomé das letras“

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