Nele und die Schneiderinnen

Nach einem Jahr unterwegssein wird das ein oder andere Material doch etwas in Mitleidenschaft gezogen. Das iPad, das MacBook, die Kamera und natürlich die Klamotten.
Und während ich den Weg zur Schneiderei gehe, wird mir die Vergänglichkeit aller Dinge bewusst weil irgendwann ein Zeitpunkt kommt, an dem die Hose nicht mehr zu flicken ist.
Was ein Gang zum Schneider, abgesehen von solchen Gedanken, noch bewirken kann…
Ich sollte öfter zum Schneider gehen…

Meine Tarnhose ist an den Knien so dünn geworden, dass sie eingerissen war.
Ich habe die Beine abgetrennt, um eine shorts zu haben.
Die Schneiderin sollte den Rand umnähen.
In der Schneiderei war eine weitere Frau, die mir spontan beim Übersetzen half.
Die Schneiderin sagte, dass das Umnähen 3 Realis also einen Euro kostet. Meine Übersetzerin schaute sich die Hose an und sagte: „Dann würde ich aber auch die Löcher flicken lassen, sonst fällt sie bald wieder auseinander“.
Recht hatte sie, das gute Stück war wirklich stark ramponiert. „Umnähen und alles flicken 5 realis“, ca. 1,70 Euro.
Nachdem ich die Hose abgegeben hatte unterhielt ich mich mich mit meiner Dolmetscherin. Ihr Name ist Carla, Italo- Brasilianerin und hat auf einem Reiseschiff gearbeitet, womit sie ihr Englisch erklärte.
Von der Statur her könnte sie zwergische Vorfahren haben. Nicht sonderlich groß aber kompakt kräftig mit einer starken positiven Ausstrahlung sowie einem ausgeprägten Sinn für Handwerkliches und Geschäftliches, wie sich später noch herausstellen sollte.
Wir verabschiedeten uns, und am nächsten Tag traf ich sie, wie sie gerade ein Gebäude aufschloss.
Das Gebäude war die Schule und sie lud mich ein, ihre „AG Nähen“ zu besuchen.
Sie hat zusammen mit ein paar Frauen eine Gruppe gegründet, die zusammen nähen, um Geld zu verdienen.

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Nun ist das mit der Handarbeit nicht so mein Fall, aber Nele wollte unbedingt hin. Also haben wir am nächsten Tag die Gruppe Besucht.

Carla designt und näht Röcke, die sie im Internet verkauft.
Mit der Gruppe in São Thomé hat sie sich auf Handtaschen spezialisiert. Die erzeugten Taschen werden im Internet verkauft, das Geld unter allen aufgeteilt.

Sie selbst macht und verkauft Kleidung seit ihrem 18. Lebensjahr. Angefangen hat sie mit Hippieklamotten, dann hat sie den Stil geändert, um eine besser verdienende Zielgruppe anzusprechen.

Sie ist in São Paolo geboren, hat aber ein paar Jahre in São Thomé gelebt und ist mit dem geringen Einkommen der Einwohner vertraut.
So hat sie die AG in São Thomé gegründet.

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Neben dem Fertigen von Handtaschen überarbeiten sie auch Kleidung. D.h. Die Kundschaft, die vorwiegend gebrauchte Kleidung kauft, kann diese dann hier „aufmotzen“ lassen.
Die Unmengen an Stoffresten und Zierrat nimmt Carla aus ihrem persönlichen Fundus.

Doch die AG Nähen bringt auch noch Vorteile, die unbezahlbar sind.
„Die Frauen kommen hier zusammen und hin und wieder bringt eine ihre Probleme mit. Die AG bietet also auch eine soziale Plattform.“ berichtet sie.
Die AG trifft sich von Dienstag bis Donnerstag von 17:00 bis 19:00.

Keine Maschine, nur Nadel und Faden
Keine Maschine, nur Nadel und Faden

Pimp my clothes
Pimp my clothes

Carla, die ihr Atelier in São Paulo hat kommt für diese drei Tage nach São Thomé und wohnt solange bei einer ihrer zahllosen Freundinnen, bei der sie in der Küche auf dem Boden schläft.
Das Teilen von Ressourcen ist ein ganz wichtiger Punkt in São Thome, darüber will ich noch mal schreiben.
Ein bunter Strauß an Taschenvariationen
Ein bunter Strauß an Taschenvariationen
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Abgesehen davon, dass Nele ihre Traumtasche gefunden hat, habe ich Einblicke in ein brasilianisches Leben bekommen, das den wenigsten Ausländern gezeigt wird.
Weiterhin werde ich mehr und mehr in die „Gesellschaft“ von São Thomé eingeführt, da Carola alle wichtigen Leute hier kennt…
MEINS!
MEINS!

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