Rio de Janeiro

240 km von Guaratingueta nach Rio. Erwartete Fahrtzeit 3 Stunden, tatsächliche Fahrtzeit 7 Stunden…

Die letzten drei Tage in Lorena waren recht heftig und haben einige Ressuourcen verbraucht. Dazu muss ich noch mal was schreiben…

Doch die Vorraussetzungen für die Fahrt über eine Distanz von 240 km waren optimal.

Tank voll, Gas voll, 70 Realis (25 Euro) in der Tasche. Die Route ebenfalls klar, das Wetter gut.

Verspätete Abfahtszeit 15:30 Uhr.

Route von Guaratingueta nach Rio
Route von Guaratingueta nach Rio

Nach 20 km trat das erste Problem auf. Die Gasanlage fiel aus, der VW Bus fuhr nur noch mit Benzin.

Glücklicherweise hätte ich gerade die Tankanzeige repariert, und so konnte ich zugucken, wie der Tank leerer und leerer wurde.

Die Straße von São Paulo nach Rio ist eine Mischung aus Atobahn und Landstraße. Zwei getrennte Fahrbahnen, Tempolimit von 110 km/h, aber hin und wieder Fußgänger und Fahrradfahrer auf dem Seitenstreifen. Darüber hinaus gibt es Mautstellen.

Die Mautstellen machten mir Sorge, denn ich hatte keine Ahnung, wieviel Geld ich dafür benötigte. Das Zusammenspiel von 2 unbekannten, nämlich den Mautstellen und dem Benzinverbrauch verunsicherte mich ein wenig.

Ich entschied mich, eine Nebenstrecke weiter südlich zu nehmen, die keine Mautstellen hatte.

Diese Nebenstrecke war allerdings in einem so erbärmlichen Zustand, dass ich schnell wieder auf die Autobahn wollte. Das ging auch… über einen der typischen Feldwege. Von Formose nach Resende waren es 7 Kilometer, eigentlich nichts…

Formosa -Resende
Formosa -Resende

Es waren 7 verregnete Kilometer durch schlammigen Urwald. Ein wenig beruhigte mich, dass vor mir ein weiteres Auto fuhr, das mir zumindest die Tiefe der Wasserlöcher auf der Straße anzeigen konnte.

Landstraße nach Resende
Landstraße nach Resende

Irgendwann habe ich dann mit völlig verspanntem Nacken Resende erreicht, pünktlich zum Feierabendverkehr. Ein dynamisches Verkehrschaos, zusätzlich eingetrübt durch den Regen.

Resende liegt nicht mal auf halbem Weg , und der Tank war noch halbvoll. deshalb habe  ich noch mal 40 Realis nachgetankt.

Rest 30 realis, 10 Euro…

Weiter ging es auf der Autobahn, bis es dunkel wurde. Dunkel und Regen  sind meine Lieblingskombination von Widrigkeiten beim Autofahren.

Plötzlich meldete mein iPad: „Batteriestand niedrig, 10%“. Ich hatte vergessen, das WLAN auszuschalten…

Weiter ging es mit reduzierter Navigationshilfen. War ja auch einfach… immer der Straße nach, bis Rio…

Irgendwann kam ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h. In der Vergangenheit habe ich gelernt, dass das, was danach kommt, locker mit 60 km/h geht.

In diesem Fall war es anders…

Lustige Abkürzung
Lustige Abkürzung

Die erste Kurve machte mir klar, dass die Hinterreifen nicht besonders viel Haftung auf der Straße haben. Danach zuckelte ich gemütlich mit 30 km/h durch die Serpentinen, bis zu einem Kiosk, der Bananen, Kokosnüsse und andere nützliche Reiseutensilien verkaufte.

Für 7,50 Realis kaufte ich Bananen und einen Zucker-Erdnussriegel. Rest: 22,50

Kurz nach den Serpentinen prüfte ich nochmal die Navigation. Dabei erhielt ich die Meldung „Batterie 5%“. Also noch mal gut die Route einprägen: immer geradeaus, an der Küste entlang bis zum Busterminal, dann die Richtung halten und irgendwann rechts rein.

50 Kilometer vor Rio de Janeiro eine Mautstellen. 13,80 Realis, 4 Euro. Rest: 8,70

Die Stadtautobahn in Rio entspricht in etwa allen Vorurteilen, die man als deutscher Autofahrer haben kann. Vom Zustand der Straße bis hin zum Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Mitten auf der 4 Spurigen Straße ein See! Während ich überlegte, ob ich eher Vollgas oder eher etwas langsamer machen sollte, war ich schon drin. Das Wasser spritze bis über das Dach hoch. Irgendwer überholte mich und eine Flutwelle schoß durch das offene Fenster der Fahrertür.

Ich hielt mich an meinen letzten Plan. Immer geradeaus, und dann die Küste entlang.

Etwas später sah ich sie! Eine große, dunkle Wasserfläche mit riesigen beleuchteten Schiffen, und im Hintergrund winzig die beleuchteten Häuser der Stadt, die den Horizont vom schwarzen Nachthimmel abgrenzte.

Häuser? Ich war verwirrt, hatte ich doch mit einer Küste gerechnet… Ein Blick aufs Navi ließ mich erstarren!

Ich war auf einer Brücke! Einer seehr langen Brücke!

Brücke mit 2 Mal 4 Spuren
Brücke mit 2 Mal 4 Spuren

Genaugenommen ist die Brücke 13 Kilometer lang und Verbindet Pio mit Niteroi. Ich versuchte, die Aussicht auf die Schiffe zu genießen, während ich von Bussen und LKWs überholt wurde.

Dann, das Ende der Brücke! Mit einer Mautstation…. 4 Realis!

Rest: 4,70

„Ok“ dachte ich, „die 4 Realis für die Rückfahrt haben wir dann gerade noch übrig…“ Aber erst mal musste ich auf die Gegenspur kommen.

Das ist ungefähr so einfach, wie auf einer deutschen Autobahn. Man muss auf die nächste Ausfahrt warten. Und dann irgendwie im Stadtgetümmel die andere Auffahrt finden. Mit der Hilfe des Navis ging es. „Batterie 3%“

Ich näherte mich wieder der Brücke und zückte meine letzten 4 Realis. Doch es gab keine Mautstellen! Ich sah die Mautstellen der Gegenfahrbahn, aber bei mir… Nichts!

Während ich die 13 km nach Rio zurück fuhr, hielt ich die 4 Realis bereit, falls doch noch eine Mautstellen kommt. Aber nichts kam.

ich überlegte gerade, was ich mit meinem unvermuteten Reichtum anfangen sollte, als ich mich im Gewirr von Brücken und Auf- und Abfahrten wiederfand.

Ich muss nach Süden, also links halten! Einmal quer über alle 4 Spuren, dann gen Süden, bis zu einer mittelhohen Brücke, die eine 180 Grad Kurve beschrieb und ZACK! war ich wieder auf der Riesenbrücke!

Vollbremsung? Rückwärtsgang? Oder das Schicksal mit Gelassenheit nehmen? Ich entschied mich für die dritte Möglichkeit. Schließlich wusste ich ja, wie ich zurück komme….

13 km übers Wasser, 4 Realis bezahlen, nächste Abfahrt raus und 13 km zurück.

Rest: 70 Cent, Tank 1/4 voll

Diesmal fand ich die entsprechende Ausfahrt und kam am Wegpunkte Busbahnhof raus. Ab diesem Moment ließ ich das iPad für die Navigation an… 2% Batterie.

nach einer Zeit im Straßengewirr fand ich fürchterliches heraus: Brasilien hat fast immer Einbahnstraßen. Die Fahrtrichtungen stimmten nicht mit den Angaben in meinem Navi überein! Ständig sollte ich in eine Einbahnstraße fahren.

Ich entschied macht dagegen und suchte meinen Weg selbst. Batterie 1%

Schließlich schaffte ich es, vorbei an Kneipen und Geschäften einer abendlichen Innenstadt, auf eine Hauptverkehrsstraße zu kommen. Nun musste ich nurnoch SCHWARZ! .. das Display war schwarz!

Die  Meldung Batterie 0% konnte nicht mehr angezeigt werden. Also weiter nach Gefühl, wie beim Stricken. Eins rechts eins links eins auf das Straßenschild gucken und… Volltreffer! Ich war in der Straße, die ich gesucht habe! Vor dem Haus war ein Parkplatz, nur für mich!

Leider war es nicht das richtige Haus. Ich hatte einen Fehler mit der Hausnummer gemacht. Also legte ich mich erst mal schlafen. Es war 22:30 Uhr, eine gute Zeit.

Am nächsten morgen suchte ich Hinweise nach dem Haus meiner Gastgeberin. Nichts eine wundervolle Wohngegend für eine Großstadt, aber kein Hinweis auf ihr Haus.

Kontakt über Facebook ging nicht, weil der Akku leer war, Solarladegerät ging nicht, weil der Himmel stark bewölkt war.

„Wenn du etwas nicht erreichen kannst, lass es zu dir kommen“ flüsterte mit eine sanfte Stimme ins Gehirn. Ok, dann ist jetzt entspannen angesagt. Gerade hatte ich die Hunde versorgt, da vernahm ich eine Stimme: „Tobias!“ Emilia stand auf der anderen Straßenseite. Sie hatte meinen Bus vom Küchenfenster aus gesehen und ist runtergekommen.

„Wilkommen in Rio de Janeiro!“

Am Strand von Rio
Am Strand von Rio

 

 

 

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