Die drei Wege

Es war längere Zeit still im Blog. Das lag an verschiedenen Dingen. Zum Einen war ich mit Carina und Malte drei bzw. zwei Wochen in den Staaten Sau Paulo, Minas Gerais und Rio unterwegs.
Danach habe ich noch ein paar Wochen in Rio de Janeiro verbracht, wo ich eine Dachterasse begrünt habe.
Natürlich überwogen in dieser Zeit die Ausgaben, was mich in die Situation versetzte, dass ich meine Notgroschen umdefinieren musste.
Jetzt ist der VW Bus der Notgroschen.
Mit dem letzten Geld haben die Hunde ihre Tollwutimpfung bekommen.

Nun gibt es drei Wege, die ich zur Zeit sehe:

1. Sicheren Unterschlupf suchen, VW Bus verkaufen und dann zurück nach Deutschland. Das dauert zwei Monate, weil eine Blutuntersuchung für die Hunde gemacht werden muss, damit sie nicht in Quarantäne müssen.
2. Sicheren Unterschlupf suchen und bürgerlich werden. Derzeit ist ein Amnestiegesetz in Bearbeitung, dass vorsieht, alles, die vor dem 01.08.2016 eingereist sind (das bin ich) eine permanente Aufenthaltsgenehmigung zu geben. Dann einen Job suchen und hier leben.
3. Sicheren Unterschlupf suchen und so weiter machen, wie bisher.

Über Punkt eins habe ich mit Carina und Malte lange nachgedacht. Die Rückkehr nach Deutschland ist vorerst keine Option. Das hat verschiedene sehr persönliche Gründe, auf die ich hier nicht eingehen möchte, da sie auf Eindrücken und Gedanken basieren, die wahrscheinlich kaum nachvollziehbar darstellen kann.

Punkt zwei klingt verlockend. Ein schöner Job unter Palmen, ein Haus im Grünen, den ganzen Tag beschäftigt und ich könnte mir viele Dinge kaufen, die mich glücklich machen. Dazu fällt mir nur ein Zitat ein:

„Am sichersten liegt ein Schiff im Hafen. Aber dafür wurden Schiffe nicht gemacht!“

Das ist so ähnlich, wie mit dem SUV zum Brötchenholen fahren.
Mache ich auch nicht mehr.

Bleibt Punkt drei.
Mit einer kleinen Korrektur. Ich kann nicht mehr für Unterkunft und Essen arbeiten. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich gar nicht mehr in das „woofing“ oder „workaway“ Profil passe. Das sind zwar noch Notoptionen, aber keine Lebensgrundlage.
Ich bin kein unerfahrener Mitte zwanzigjähriger, der glücklich ist, wenn Laubrechen oder Obst pflücken kann. Ich kann wesentlich mehr und besser sowieso.
Ich bin jetzt erwachsen geworden….

Aber alle drei Punkte haben das Merkmal „sicherer Unterschlupf“, und den habe ich jetzt. Die Bewohner von Flor das Aguas in Cunha haben mich aufs herzlichste empfangen. Vor fast fünf Monaten war ich das letzte mal da. Alle habe sich gefreut, mich zu sehen, und alle kannten noch meinen Namen, wobei ich wiederum einige vergessen hatte.
Ich traf mich mit Marcos, dem „Oberpriester“, um meine Situation zu schildern. Schon in der ersten Sekunde hatte ich das Gefühl, dass er wusste, dass mit mir etwas nicht stimmt.

Die Kommunikation war denkbar kurz: „Schön, dass du zurück bist! Wir können deinen Hilfe gebrauchen. Was brauchst du?“
„Unterkunft und Geld“
„Geld für was?“
„Essen für mich und die Hunde, Benzin und einen Ersatzreifen.“
„Wie lange kannst du bleiben.“
Ich beschrieb ihm die drei Wege.
„Ok. Du kommst ins Sanktuarium!“
Das Sanktuarium ist in Ort 13 km von Cunha entfernt. Ein Haus in Mitten der Natur, mit einem See und zwei im Bau befindlichen Seminargebäuden.
„Warte hier, ich schicke jemanden einkaufen, und dann fahrt ihr zusammen raus. Dann hast du erst mal Ruhe und Zeit, um dich wieder zu finden. Herzlich willkommen!“

Eine halbe Stunde später kam Eneas zu mir. Er war einer meiner Aufpasser bei den Santo Daime Sessions. Er ist Anfang 30, klein, schnell und sehr akkurat. Im Januar ist sein Sohn hier zur Welt gekommen.

„Komm, wir fahren los!“
Unterwegs hielten wir noch an einem anderen Grundstück, dass zu Flos das Aguas gehörte. Hier wurde ich vom hauseigenen Feld mit Obst und Früchten eingedeckt. Dann fuhren wir weiter.

Nach ein paar Minuten waren wir am Ziel. Dem Sanktuarium!
Da das Gebäude selbst wenig Sakrales hat, und eher an das sakrale Zentrum im Uruguay erinnert, nenne ich es in Anlehnung an das Lied der fantastischen Vier „Das Haus am See“.

 

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