Das Leben ist ein Tanz

Es gibt viele Weltbilder, versuchen, die Welt zu erklären.
Es gibt die Wissenschaft, die Religionen, verschiedene Glaubensrichtungen, die Versuchen, dem Leben einen Sinn zu geben.
Genau genommen versuchen sie in die Zukunft zu schauen, nach dem Motto, „wo soll das alles hinführen?“


Die Wissenschaft beschreibt der Physiker Hans-Peter Dürr
wie folgt:
„Die heben eine Karte von einem nagelneuen Stapel auf und messen. Und dann bekommen sie den Wert Herz 1.
Dann ist die zweite Karte eine Herz 2.
Die dritte Karte ist eine Herz 3.

Dann sagen sie, „wir haben hier ein Wachstum mit dem Wert 1“
Wenn sie die nächste Karte abheben und tatsächlich die Herz 4 finden, bekommen sie den Nobelpreis.

Das ist die klassische Wissenschaft.“

Die Quantenphysik sagt nun aber: „Es gibt gar keinen Stapel! Die Karte wird mit jedem Abheben neu gezeichnet!“ Das bedeutet, dass es keinen „göttlichen Plan“ geben kann, sondern dass jede Veränderung möglich ist.

Das Bild mit der Zeichnung hat mich irgendwie an den Tanz erinnert, und mir ist eine Geschichte aus dem Indischen Kulturkreis eingefallen. „Solange Shiva tanzt, existiert das Universum.“
Anders ausgedrückt, der ständige Wandel, die ständige Veränderung ist eine unbedingte Voraussetzung für unser Leben.
Weiterhin wird offensichtlich, dass man diesen Wandel, den Tanz nicht nur aufgrund einer Figur bewerten kann.

Da wäre, als würde man ein Bild von einem sich ständig ändernden Fraktal machen und sagen „Das ist das Fraktal.“

Das Fraktal erhält seine Faszination aber erst aus dem Wandel, aus der ständigen Veränderung.

In der Germanischen Rune RAIDO wird genau das gleiche ausgedrückt. RAIDO bedeutet erst mal Rad. Doch wenn wir in die Sprachforschung gehen, stellen wir was erstaunliches fest.

Das Rad ist das Sinnbild für den Verlauf, die Bewegung, die Veränderung.

Rad, Rat, Rot, Recht sind alles Worte, die stark miteinander verwandt sind. „Rot“ ist dazu der Farbcode für „Recht“. Und ein Recht ist dafür da, dass es Sicherheit gibt, in Form von Regeln.

Der „Rat“ ist eine Gruppe von Menschen, die andere beraten, wie sie auf sich verändernde Lebensverhältnisse eingehen, oder die einen Charakter der Rechtsprechung haben.
Es stehen also das Recht und Veränderung auch inhaltlich nah beieinander.

Das macht für mich einen sehr großen Sinn, denn wenn sich nichts verändert, bräuchten wir keine Sicherheitsmaßnahmen, keine Regeln, keine Gesetze.
Im übertragenen Sinne drückt die Rune RAIDO aus: „Die Veränderung ist ein Gesetz.“.
Interessant finde ich übrigens auch, dass im höchsten deutschen Gerichtshof, dem Bundesverfassungsgericht, alle Richter Rot gekleidet sind…

Wenn also sich offensichtlich alles immer Verändert, dann scheint das Bild des tanzenden Shivas eine sehr schöne und zutreffende Metapher zu sein.

Doch wie soll man nun damit umgehen, dass sich alles ändert? Offenbar leben wir ja in ständiger Unsicherheit!

Ja, ich glaube, dass stimmt. Ich halte Sicherheit für eine Illusion. Aber wir können uns entscheiden, wie wir damit umgehen wollen.

Ich habe mich entschieden, zu tanzen. Stellt euch mal vor, ihr wärt plötzlich riesengroß und schwebt irgendwo im Universum. Und vor euch tanzt, genauso groß wie ihr, Shiva höchst persönlich!
Ihr habt keine Ahnung, wie der Tanz geht, der Typ hat dazu vier Arme und kann göttliche Verrenkungen, die jenseits jeder Vorstellungskraft liegen…

Aber ihr tanzt mit ihm.
Klar dauert es eine Weile, bis ihr euch eingestimmt habt, und hin und wieder tritt Shiva euch mal auf den Fuß, oder ihr bekommt einen der Arme ab.

Wie reagiert man da?
„DU DEPP! PASS DOCH AUF!“?
„Also ich bin ja wirklich enttäuscht! Ich habe ja gedacht, Götter sollten wenigstens so ein Bisschen tanzen können. Vor allem, wenn sie sonst nichts anderes machen!“?

Wie würdet ihr reagieren?
„Hups! Wie peinlich!“
„Ui! Da habe ich nicht aufgepasst! Fürs nächste mal weiß ich Bescheid!“

Oder erkennt ihr, dass ihr mit einer „göttlichen Energie“ tanzt , die euch noch dazu erschaffen hat?
Könnt ihr die Tiefe Demut spüren im Angesicht der Tatsache, dass ihr das Privileg habt, mit dieser Energie, mit Shiva oder Gott zu tanzen?

Viele Menschen können das sicher nicht. Klar, bei all dem, was der Depp ihnen angetan hat. Es ist aber nur eine Frage der Entscheidung.

Ich habe mich entschieden. Ich habe mich entschieden, mit Shiva zu tanzen. Das Leben als etwas zu sehen, dass mich mit den „kosmischen Urkräften“ verbindet.
Etwas unglaublich großartiges, faszinierendes!
Und wenn ich wieder mal ne Hand oder nen Fuß von ihm abbekomme, wenn mein Auto mal wieder kaputt ist, wenn ich stressigen Menschen begegne oder mich so richtig ungerecht behandelt fühle, mache ich mir bewusst: „Hey! Ich tanze mit nem Gott! … das kann schon mal passieren…“
… und ich weiß, dass ich im Laufe der Zeit immer besser werde….

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