Luna und die Klapperschlange

Die letzten neun Monate ist, abgesehen von ein paar inneren Prozessen, nicht viel passiert.
Mein VW Bus war kaputt, wurde repariert, war wieder kaputt, Morgana, die 20 Jährige Hündin ist nach einem Befall von Fliegenlarven in das Hauptgebäude gekommen, dafür bekommt Chiquita jetzt die Viecher ab.

Fliegen, die ihre Eier in offene Wunden legen, wo sie dann zu Larven heranwachsen, und sich von ihrem Wirt ernähren, waren bis jetzt so das exotischste, was mir mit meinen Hundies passiert ist.
Die befallene Stelle ist geschwollen, hat ein Loch von 0,5 bis 2 cm, und wenn man die Schwellung drückt, kommen kleine oder auch größere Maden aus dem Loch.

Nachdem ich einmal unter Ekel ungefähr 15 Minilarven rausgequetscht habe, habe ich nachts davon geträumt, und danach ging es auch mit größeren….
Die Wunde verheilt innerhalb von 3 bis 4 Tagen.

Momentan liegt der Focus aber auf der Reparatur des VW Busses. Nachdem sich eine der Hinterradachsen gelöst hat, dachte ich mir, dass ich das zum Anlass nehme, eine größere Inspektion zu machen.

Achsmanschetten, Radlager, ein paar Dichtungen, Ölwechsel u.s.w.
Gestern hatte ich die Teile gekauft, heute sollte montiert werden. Glücklicher Weise habe ich eine wunderbare Werkstatt in Cunha, bei der ich im Hinterhof meine Arbeiten machen kann, und das nötige Werkzeug zur Verfügung gestellt bekomme.

Als kleines Dankeschön bringe ich immer Brötchen, Käse und Schinken für die Mechaniker mit.
Heute also war Schraubertag!

Jiva weckte mich mit ihrer Stupsnase und gab laute von sich, die man mit „Hey! Aufstehen!“ später mit „Och Menno! Mach endlich hinne“ übersetzen könnte.
Ok.

Also erst mal Kaffe machen und Tür auf, in der Erwartung der restlichen tobenden Meute.
Doch heute tobte nichts. Chiquita kam zwar an, um mich zu begrüßen, aber der Wirbelwind Luna fehlte irgendwie. Sie stand vor dem Haus und guckte mich schräg an, stakste dann aber die drei Treppen zum Eingang hoch, um etwas verhalten guten Morgen zu sagen.

Als wir losgingen, ging sie die Treppen wieder runter und brach zusammen.
„Was ist denn mit dir los?“ fragte ich. In dem Moment machte sie vor mir Pipi und setze eine schwarze Flüssigkeit ab.
Ich guckte in meine Kaffetasse, die ich zum Spaziergang mitnehmen wollte, sah eine weitere schwarze Flüssigkeit, kippte sie dahin, wo die Blattschneiderameisen meinen Rosenbusch zerstört haben, und ging zum VW Bus.

„Luna, einsteigen bitte….“
Sie bewegte sich merkwürdig. Ein betrunkenes Zirkuspferd trifft es am ehesten. Den Kopf mit der Nase nach unten, aber ohne den eleganten Gang, eher stark unkoordiniert.

 

Eine Stimme in mir meldete sich und erinnerte mich an Berichte über Schlangen, deren Gift sowohl die Organe als auch die Nervenbahnen angreift.

Meine Lieblingstierärztin baut gerade um, also entschied ich mich, eine andere aufzusuchen, bei der ich mal mit Nele war.
Die eigentliche Ärztin ist gerade schwanger und wird von einer anderen aus São Paulo vertreten. Allerdings konnte ich spüren, dass die Veterinärin aus der Großstadt mit den Landeiern, die als Helferinnen eingestellt waren, nur wenig anfangen konnte…

Ich schilderte kurz die Situation und erwähnte auch meine Schlangentheorie.
„Die Ärztin kommt aber erst um 10:00 Uhr…“ Es war 09:00 Uhr.
Eine liebe Freundin von mir hat mir mal einen Satz gesagt, an den ich spontan denken musste: „Das Licht ist an, aber keiner daheim“
Anders kann man den Blick der Veterinärshelferin nicht beschreiben.

Ich bedankte mich freundlich und fuhr zu Flor das Aguas.
Eine kurzer Austausch mit Amrei Groß, einer Facebookfreundin, die mehr als nur sehr gut über Hunde Bescheid weiß, erhärtete meinen Versacht. Ich checkte Luna kurz durch und stellte fest, dass ein Hinterlauf geschwollen war und eine kaum sichtbare, blutende Wunde hatte.

Sofort bat ich meine zuständige „Betreuerin“ in Flor das Aguas doch mal die andere Tierärztin anzurufen. Die Bitte wurde erfüllt, und ich hatte Renata von Bichos da Serra, den Tieren aus den Bergen, am Apparat.


Wieder schilderte ich die Situation und wies ausdrücklich auf dem Schlangenbiss hin. Sie erzählte irgendwas von drei Operationen, die sie hat und irgendwas von einem anderen Arzt. „Ok“, sagte ich, „ich geh woanders hin.“
„Nein, nein!“ sagte sie. Der andere Arzt sei ihr Mann, der in der Praxis ist. Ich soll zu ihm fahren.
Gut! Also hin.

Aus Gründen der sozialen Sicherheit hatte ich das ganze Rudel bis auf Chiquita eingepackt, und bemerkte deutlich, wie Luna immer ruhiger wurde.
Als wir beim Tierarzt waren, musste ich sie in die Praxis tragen.
Renata und ihr Mann erwarteten uns.

Schwarzes Urin, apathischer Blick, Störung der Koordination sind Hinweise auf den Biss einer Klapperschlange. Die Schwellung am Fuß wurde rasiert und es stellte sich raus, dass die ganze Umgebung stark gerötet war. Wenn man die Schwellung drückte, trat Blut aus einer nicht sichtbaren Verletzung aus.

„Wo ist das Loch vom anderen Zahn?“ fragte ich. „Wahrscheinlich daneben gegangen. Aber ein Zahn reicht auch schon….“
Luna bekam eine Ringer Lösung und 50 ml Antiserum, was schrittweise in Intervallen von 10 ml über den Zugang verabreicht wurde.
Schon nach 30 ml ging es ihr sichtbar besser. Sie konnte sitzen, und in ihrem leeren Blick konnte ich ganz weit hinten ein bisschen Luna erkennen.

Als die komplette Dosis verabreicht war, legte sie sich hin. Gut…
Ich ging kurz nach Cunha frühstücken, meldete per Messenger der Besitzerin von Luna, was passiert ist, und fuhr wieder in die Praxis.
„Luna muss noch eine Nacht zur Beobachtung hier bleiben, außerdem muss ihr Blut ins Labor“ Der ganze Spaß wird umgerechnet um die 120 Euro kosten.
(Nachtrag: Luna musste zwei Nächte in der Praxis verbringen, der Endpreis war 160.- Euro)

Kurzerhand zog ich mein T-Shirt aus und legte es ihr in den Käfig. Das kommt nicht nur gut bei den Arzthelferinnen an, auch für Luna ist es positiv, einen vertrauten Geruch in der Nähe zu haben.
Dann fuhr ich in die Werkstatt, meinen Bus reparieren…. natürlich mit einem Ersatzhemd.

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