Mein neuer Name

Bei meiner Auseinandersetzung mit den Runen bin ich über einen Satz in der Edda gestolpert, der mir irgendwie im Kopf hängen geblieben ist.
„Alles muss einen Namen haben.“
Somit war es an der Zeit, mir über Namen ein paar Gedanken zu machen.

Ich lebe zurzeit in einer spirituellen Gemeinschaft, und ein Großteil der Mitbewohner führen nehmen dem bürgerlichen auch eine spirituellen Namen. In der Regel klingen sie indisch und haben ziemlich viele As. Narada, Ananda, Hamani, Bavana und viele mehr.
In der Gemeinde Source Temple, sowie in anderen spirituellen Gemeinschaften, wird der Name vom Guru vergeben. Der Guru erkennt das Entwicklungsziel des Schülers und gibt ihm den entsprechenden Namen, damit der Schüler jedes Mal, wenn er gerufen wird, an dieses Ziel erinnert wird.
Hier, in Flor das Aguas bekommt man seinen Namen über eine spirituelle Arbeit, ähnlich wie ich den Namen Tarek vor einigen Jahren bei einer schamanischen Reise erfahren habe.
Beim Capoeira, einer brasilianischen Kampfsportart, verleiht der Meister dem Schüler einen Namen, der sein „Wesen“ repräsentiert.

Doch was steckt eigentlich hinter dieser Namensgeschichte?
Eltern geben ihren Kindern einen Namen, früher trugen besondere Waffen einen Namen, der ihnen vom Schmied verliehen worden ist, und noch heute gibt es ein Möbelhaus, bei dem selbst der kleinste Blumentopf einen eigenen Namen hat.
Mit der Vergabe eines Namens schöpft der Guru einen neuen Schüler und macht gleichzeitig auf der Beziehungsebene klar, dass er der Chef ist.
Die Vergabe des Namens ist also ein hierarchischer Akt, der Teil der Schöpfung ist und das Verhältnis von Schöpfer und Geschöpf definiert.

Doch spätestens seit dem Kinofilm „Nummer 5 lebt“ wissen wir, dass die Sicherung von Verhältnissen über die Namensvergabe dann schwächelt, wenn das Bewusstsein ins Spiel kommt.
Der kleine Roboter wurde zwar von Menschen geschaffen, hat von ihnen seinen Namen bekommen, und doch hat er keine Verbindlichkeit mehr gezeigt, nach dem er sich bewusst geworden ist. Trotzdem blieb er immer das Geschöpf der Firma, die ihn hergestellt hat.

In einer Gruppe in Facebook kam die Frage auf, dass, wenn man sich für einen bestimmten Lebensweg entscheidet, man da auch seinen Namen entsprechend ändern sollte.
Die Antworten waren wenig tiefgründig und gingen von „du musst dich damit wohlfühlen“ bis „mach doch was du willst“.

Für mich ist in diesem Moment jedoch klar geworden, dass ich, wenn ich mich bewusst für einen Lebensweg entscheide, bewusst und frei meine eigenen Werte definiere und dabei ein „neuer Mensch“ entsteht, ich mein eigenes Geschöpf werde.
Ich werde das Ergebnis meiner eigenen Schöpfung.
Gleichzeitig trenne ich mich auf der Bedeutungsebene von meinem bisherigen Leben.
Somit bin ich im Geiste Eltern und Kind gleichermaßen. Selbstverständlich habe ich so auch das Recht, mir einen Namen zu geben, was den Akt der Selbstschöpfung abschließt und die endgültige Trennung vom alten Leben besiegelt.

Somit führe ich nun den Namen Tarek nicht nur für den Blog, sondern auch im normalen Leben.

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