Stachelschweinerei

Eine Sache, die mir in Südamerika besonders gut gefällt, ist der Reichtum in der Tier- und Pflanzenwelt. So, wie sich in Deutschland auf dem Lande Hase und Fuchs gute Nacht sagen, sind es hier das Gürteltier, das Stachelschwein, der Nasenbär und noch einige andere.
Jiva und Shangi, ein junger Rüde, den ich übergangsweise hier habe, haben gestern die Bekanntschaft mit unserem Nachbarn, dem Stachelschwein gemacht.
Leider haben sie die kulturellen Eigenschaften der anderen Spezies nicht ausreichend gewürdigt…

Nach Einbruch der Dunkelheit haben die beiden noch ein wenig vor dem Haus gespielt. Doch plötzlich änderte sich die Geräuschkulisse. Quieken, Röchlen und Würgen tönten aus der Dunkelheit des Weges, der zum See führt.

Mein Pfeifen und Rufen brachte nicht viel, doch nach kurzer Zeit erschien Jiva brav im Lichtschein des Hauses. Während sie lief, versuchte sie immer wieder etwas mit der Pfote von ihrer Schnauze zu entfernen. Etwas, was ihr offensichtlich großes Unbehagen verursachte:
die Stacheln eines Stachelschweins!

Diese Stacheln sind 3 bis 5 cm lange Röhrchen, gelb, mit einer 5mm langen, schwarzen Spitze. Ich habe mal ausprobiert, wie spitz diese Stacheln sind, und habe festgestellt, dass sie mit Leichtigkeit in die Hornhaut an meiner Ferse eindringen können. Da ich vorzugsweise barfuß herumlaufe, ist diese Hornhaut gut ausgebildet und ein wirksamer Schutz gegen spitze Sachen.
Für ein Steckenbleiben im Finger reicht die bloße Berührung. Ich habe mir in den Zeigefinger gepiekst, und der Stachel steckte fest, bevor ich die Berührung überhaupt gemerkt habe.
Weiterhin ist die schwarze Spitze mit Mikrowiderhaken ausgestattet. Vergleichbar mit den Schuppen eines Fisches. So leicht, wie sie eindringen, so schwer gehen sie wieder raus.

Von diesen Stacheln hat Jiva ungefähr 20 von ihrem Treffen mit dem ursprünglichen Besitzer mitgebracht. In der Nase, in den Lefzen, im Zahnfleisch und Gaumen.
Es ist ein recht verstörender Anblick, wenn ein Hund zusätzlich zu seinen Zähnen noch diese gelben Stacheln im Maul hat.
Nachdem ich die ersten entfernt hatte, beruhigte sich Jiva und ließ die Prozedur fast schon entspannt über sich ergehen.

Anders dagegen Shangi. Er versuchte zappelnd und schnappend, die Plagegeister loszuwerden. Ihn festzuhalten brachte gar keinen Erfolg. Wie so oft im Leben macht man das, was man bekämpft nur stärker.

Also beruhigte ich ihn und schaffte es, ein bis zwei der Stacheln zu ziehen. Dann quiekte, schnappte und zappelte er wieder, und ich musste ihn erneut beruhigen.
Auch er hatte gut 20 Stacheln mitgebracht.
Viele waren durch den Speichel so feucht, dass ich sie nicht festhalten konnte. Zum Glück hatte ich eine Zange im Haus, die zwar eine große Hilfe, aber auch eine zusätzliche Irritation für den Hund war.

So schaffte ich es, in kleinen Intervallen, die Stacheln bis auf drei aus seinem Maul zu ziehen. Diese drei waren recht weit im Rachenbereich, und Shangi wollte sein Maul nicht so weit aufmachen, wie Jiva. Sie sind aber vom Speichel so weich geworden, dass sie ihm kein großes Unbehagen mehr verursachten. Somit ließ ich ihn erst mal in Ruhe.
Am Mittag des folgenden Tages konnte ich zwei der verbliebenen Stacheln entfernen, der Dritte war nicht zu finden.

 

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