Corpus Christi

Frohn  Leichnahm hat sich in meiner früheren Welt nur dadurch gezeigt, dass die Einwohner des angrenzenden katholischen Bundeslandes zu uns zum Einkaufen kamen.

Nun habe ich hier lateinamerikanische Form Corpus Christi kennengelernt, was übersetzt „Leiche von Christus“ heißt, und ebenfalls einer der höchsten Feiertage ist.

Hier in Cunha herrscht eine unwirkliche Stimmung. Es ist kühl, bei strahlendem Sonnenschein, die „Innenstadt“ ist für KFZ gesperrt und es herrscht eine friedliche Stille.

Die Hauptstraße wird von den Einwohnern geschmückt, in dem Bilder aus gefärbten Sägespänen wie Mandalas auf die Straße aufgebracht werden.

Die Motive reichen von “nossa senhora” unserer Frau Maria über Friedenstauben, Kreuze, Pyramiden, die die Dreifaltigkeit darstellen sollen, bis hin zu einfachen, bunten Mustern.

Man hört ein paar geraunte Worte, das Rascheln des Sägemehls, wenn es aus Säcken und Kisten geholt wird, und das ist alles.

Ich möchte fast sagen, es herrscht eine meditative Stille.

Dazu hat es mich fast zu Tränen gerührt, zu sehen, wie eine gesamte Stadt in völliger Harmonie, ohne Festmusik, ohne scheppernde Bierdosen, sondern in konzentrierter Friedfertigkeit ihre Straßen schmückt.

Die verschiedenen katholischen Kirchen Cunhas, ungefähr alle 20 Meter eine andere, haben die Straße unter sich aufgeteilt, und jede Gemeinde ist für ihren Bereich zuständig.

Wenn man artig fragt, wird einem die Ehre zuteil, einen kleinen Sägemehlbeitrag leisten zu dürfen, natürlich nach Anweisung.

Am Nachmittag kommt dann eine Prozession und die Kunstwerke gehen den Weg alles vergänglichen.

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