Winter in Brasilien

Was bin ich froh, dass ich nie den Traum von der einsamen Holzhütte in Kanada oder Norwegen hatte!

Das Leben hat für mich wesentlich mehr Qualität, wenn es zwischen den Sonnenwendkreisen und weniger in der Nähe der Polarkreise stattfindet.

Dies ist nun mein dritter Winter in Südamerika, und endlich hatte ich genug Zeit, mir das ganze Spektakel unabgelenkt in vollen Bewusstsein anzusehen.

Ab Mitte Mai beginnt so etwas, wie ein permanenter Indian summer. Es fehlt zwar das Farbspektakel, aber die Nächte werden kühler und die Tage sind sonnig warm. Ab Juni beginnt die Trockenzeit. Das setzt dem ganzen noch die Krone auf, weil sich Nässe und Schlamm, und nasse, schlammige Hunde in Grenzen halten.

Ein erfrorener Weihnachtsstern

 

Der Morgentau ist noch ausreichend, dass der Garten nicht bewässert werden muss.

Tagsüber liegen die Temperaturen bei 15 – 20 Grad im Schatten. Die Nächte liegen bei 5 – 10 Grad.

Ab der Wintersonnenwende kommt dann ein Bisschen Winterromantik auf.

Nachts fallen die Temperaturen hin und wieder auf eisige -4 Grad, und oft hüllt sich die Landschaft in undurchsichtige Nebelschwaden.

Doch wenn die Sonne herauskommt, gibt es ein interessantes Phänomen.

Bei Tagesanbruch, um 06:00 Uhr, sind die Fensterscheiben von innen beschlagen. Das ist völlig normal.

Im Haus herrschen dann Temperaturen von 5 – 10 Grad. 

Doch schon um 08:00 Uhr ist die Luft wieder so warm und feucht, dass die Fensterscheiben nun von außen Beschlagen sind.

Dann heißt es Türen und Fenster aufreißen und das Haus so weit wie möglich aufheizen lassen.

 

Wenn ich morgens mit den Hunden spazieren gehe, trage ich zwei Pullover, eine Jacke und gerne auch mal zwei Hosen.

Mittags reicht eine kurze Hose und ein T-Shirt.

Interessanter Weise herrscht für die Brasilianer den ganzen Tag unverändert Winter. Bei 15 Grad im Schatten und strahlend blauem Himmel kleiden sie sich in Daunenjacken und Strickmützen.

Außer denen, die sich keine Winterkleidung leisten können. So kommen mir morgens oft Tagelöhner in kurzen Hosen und Flip-Flops auf dem Motorrad entgegen…

Ein weiterer unschlagbarer Vorteil des Winter ist, dass es keine Moskitos gibt!

… schreibe ich, und prompt kommt einer vorbeigeflogen….

Ok.. es gibt fast keine Moskitos! Und keine Pferdebremsen! Das ist sehr entspannend, da es so möglich ist, auch mal leicht bekleidet in der Sonne zu liegen. Im Sommer ist das hier am See unmöglich.

Die Stecklingsvermehrung von Pflanzen gelingt auch im Winter. Eine Ruhephase wie in Deutschland gibt es nicht. Immer wächst oder blüht etwas. Somit funktioniert auch der Garten das ganze Jahr.

Es sind nur die Blätter erfroren… hoffe ich

Eine Sache, der ich mich nächstes Jahr ganz ausgiebig widmen werde, ist die Zeit der Rauhnächte. Die Zeit, die in Europa nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag beginnt und 10 Tage dauert, findet hier wohl auch statt. Zumindest war ich hier in der Zeit nach der Wintersonnenwende genauso vermatscht, unkonzentriert und planlos, wie während der Rauhnächte in Deutschland.

Doch das ist Stoff für nächstes Jahr.

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