Werkzeuge der Natur

Vor ein paar Monaten hatte ich ein fast ernstzunehmendes Problem mit kleinen und mittleren Nagetieren.

Am Anfang waren es nur ein paar Köttel, die in der Waschküche rumlagen, doch dann war die Wohnung unter mir derart verwüstet, dass ich mich an den Film „Fear and loathing in Las Vegas“ erinnert fühlte.

Höchste Zeit zu handeln.

Ich kaufte eine Lebendfalle so wie zwei Konventionelle und extrahierte in den ersten 14 Tagen knapp 20 Mäuse und Ratten, die in friedlicher Eintracht mein Haus erobert haben.

HighTech – Handgedengelt
Falsche Zielgruppe erwischt

Irgendwo habe ich mal gehört, dass Mäuse und Ratten nicht zusammen leben würden, das ist jedenfalls falsch!

Gegen Monatsende wurde die nächtliche Nagerernte immer spärlicher und ich erinnerte mich an einen weiteren Film namens „Big Fish“, in dem gesagt wurde, 

„Die dicken Fische sind deshalb so schwer zu fangen, weil sie nur so dick geworden sind, weil sie sich nicht fangen lassen.“

Industria Brasileira…

Gut. Es scheint also sowas wie einen Überlebensinstinkt  zu geben, und ich wollte die Population auch nicht auf Biegen und Brechen ausrotten.

Die Geräusche auf dem Dachboden sind soweit verstummt, es stellte sich wieder Ruhe ein.

Eines Nachts klapperte es aber wieder, nur in einer Art, die den Gedanken an ein wesentlich größeres Tier als eine Ratte zuließ.

„Prima!“ Dachte ich, „ein Kätzchen, dass den Rest aufräumt!“

Obwohl ich mich mehrere Male auf die Lauer legte, gelang es mir nicht, das Kätzchen zu sehen. Sobald ich beobachtete, war es weg, lag ich in meinem Bett, klapperte es wieder.

Und leider reicht das WIFi-Signal meiner Kamera nicht vom Obergeschoss zu mir in die Wohnung, sonst hätte ich eine Videoüberwachung gemacht.

Aber mehr und mehr nahmen die restliches Rattenköttel ab, und ich war der Meinung, dass die Natur einen echt tollen Job macht.

Darüber hinaus erinnerte ich mich an die Heinzelmännchen von Köln und dachte mir „Sei mal nicht so neugierig“

Gestern Nacht hörte ich Geklapper aus meinem Komposteimer!

Jiva sprang auf und stand einsatzbereit vor der Wohnungstür. 

Ich öffnete, und sie näherte sich dem Kompost vorsichtig und angespannt, um schließlich anzuzeigen, dass da was ist.

Als ich den Deckel des Holzverschlages öffnete, in dem sich der Eimer befindet, flüchtete ein dickes Opossum durch den Hinterausgang.

Jiva wollte es stellen, rannte aber zu weit, und das gewitzte Nagetier huschte hinter ihr vorbei und lief den Weg entlang Richtung Beet.

Zaungäste

Wer schon mal einen Igel hat rennen sehen, der kann sich vorstellen, wie Opossums rennen. Nicht chaotisch flink wie Ratten und Mäuse, sondern kraftvoll, geradlinig und flink, aber ohne Hetzerei.

Mehr so nach dem „Ich geh dann mal besser“-Prinzip.

Ich musste lachen, weil vor meinem geistigen Auge die Tarotkarte Sieben Stäbe erschien.

Ich zeigte Jiva das Beet, sie verstand sofort und sprintete los, am Beet vorbei, zum Schuppen mit Bauholz, wo sie in ein Gebüsch sprang. Es antwortete ein Grunzen, als ob ein Mensch ein Schwein imitiert.

Dann haben wir wohl zwei…

Laut Wikipedia sind Opossums nomadische Reviertiere. Sie ziehen umher, aber dort, wo sie sind, dulden sie keinen Artgenossen.

Das lässt mich befürchten, dass diese unliebsame Allianz in meinem Haus von einer Sehnsucht nach zärtlicher Zweisamkeit motiviert sein mag.

Werde ich jetzt noch Opossumpapa? Hoffentlich nicht!

Immerhin waren sie es, die mittlerweile all meine Hühner und den Hahn getötet haben und der Grund dafür sind, dass die einzig Überlebende Helene nun permanent in meiner Küche wohnt.

Ich brauche dringen eine große Eule oder eine der kleineren Jaguararten, wie sie im Wald auf der anderen Seite des Sees lebt.

Niedliche Kätzchen, die ich bisher leider nur von Bildern kenne, da sie äußerst Scheu und Nachtaktiv sind.

In meiner Nachbarschaft gibt es jedoch ein Heim für Straßentiere, und eine Freundin hat dort letzte Woche eine trächtige Katze abgeliefert.

Ich denke, dass ich das Heim etwas entlasten werde, sobald die Kleinen von der Mutter getrennt werden können.

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