Wir kochen Ayahuasca

Feitio Tag 1

Feitio bezeichnet den Prozess der Herstellung von Ajahuasca, einer DMT haltigen Substanz, die von den eingeborenen Völkern des Amazonas als spirituelles Heilmittel verwendet wird.

Die Rohstoffe sind eine bestimmte Schlingpflanze und die Blätter eines Busches.

Die Liane Jagube

Interessanter Weise haben die Rohstoffe einzeln gar keine Auswirkung auf das Bewusstsein.

Erst, wenn beide Pflanzen zu einem Tee verkocht werden, bekommt der Saft seine Kraft.

Der Schlingpflanze wird dabei die männliche Energie zugeschrieben, den Blättern die Weibliche. 

Und wie das halt so ist, wenn männlich und weiblich in Harmonie vereint werden und dazu im Bewusstsein, etwas größeres zu schaffen, dann steht dem Zaubertrank nichts mehr im Wege.

Der Tee wird gesammelt und wiederholt mit frischen Pflanzen gekocht.

In einer kurzen Eröffnungszeremonie wurden die Göttin des Waldes, die Rainha da Floresta um ihren Segen gebeten, dann würden die Rohstoffe zusammengetragen. Die Männer schnitten die Schlingpflanzen, die Frauen  pflückten Blätter.

Beide Pflanzen werden auf dem Grundstück von Flor das Aguas angebaut, insofern brauchten wir sie nicht im Urwald suchen.

Acht Jahre braucht eine Schlingpflanze, bis sie geerntet werden kann. Bei den Büschen scheint es sehr viel weniger zu sein, sie sind ca Hüfthoch.

Bei der Ernte hat der Segen der Waldgöttin wohl geholfen, den hoch oben, in der Krone eines alten Birnenbaumes, der von der Liane überwuchert worden ist, befand sich ein Wespennest.

Wir haben unten kräftig an den Pflanzensträngen gezogen und so die Aufmerksamkeit der Wespen geweckt…

Als das vertrocknete Material des Birnbaumes auf uns herabrieselte, dachte ich noch ganz friedlich: „Oh! Ein Baumregen! Wie schön!“

Dann hätte ich plötzlich ein glühendes Eisen im Genick und zwei Sekunden später schlug mir jemand einen Nagel in den Schädel!

In dem Moment rannten auch schon die Anderen los.

Mehr als zwei Stiche hat keiner abbekommen, dazu waren die Wespen ungefähr ein Drittel von den deutschen Wespen.

Ich versorgte die gepiesackten mit Breitwegerich, und als sich die Wespen beruhigt hatten, ging die Ernte weiter.

Ganz im spirituellen Sinne und tiefem Respekt Mutter Natur gegenüber wurde das Wespennest dann angezündet, damit der Birnbaum von den Lianentrieben befreit werden konnte.

Am Ende lag das Nest aufgebrochen am Boden und einige Wespen inspizierten verwirrt und verständnislos die im Nest liegenden Larven.

Es scheint etwas natürliches zu sein, dass man erst seine Familie oder sein Volk verlieren muss, bevor man Gewalt doof findet.

Von mir aus hätten sie da weiterleben können.

 

Feitio Tag 2

Irgendwie hatten die Frauen gestern Unmengen an Blättern gesammelt, so dass die Herren mit den Lianen zurücklagen. Somit begann der Tag um 06:00 Uhr mit einer Meditation und anschließendem Lianenernten.

Die Zutaten wurden genau abgewogen

Doch es sollte noch wilder werden.

Für 12:00 Uhr war eine Daime Zeremonie angesetzt, und langsam verstand ich auch den Ablauf von allem.  

Damit die Lianen später gekocht werden können, müssen sie erst zerfasert werden. Das geschieht mithilfe eines im Boden festbetonierten Holzstammes und einem Holzprügel, dessen Form an eine Weinflasche erinnert. Natürlich tropisches Hartholz, und somit gut 2kg schwer.

 

Dieser Vorgang fand während der Zeremonie statt.

Was mich besonders gefreut hat war, dass fast alle Bewohner der Nachbarcommunity Source Temple angereist waren, um teilzunehmen.

Jiva war die ganze Zeit mit mir unterwegs, durch kurz vor der Zeremonie rannte sie einmal quer durch die Musiker, worauf ich sie in mein Zelt „einsperrte“…. blöde Idee…

Jiva hat alles im Blick

Die Zeremonie hatte eher etwas von einem Livekonzert auf irgendeiner Wiese in der Natur.

Die Musiker spielten, im 4/4 Takt dazu wurde auf die Lianen eingedroschen, viele begleiteten die Musik mit Gesängen, andere saßen entspannt auf der Wiese inmitten einer paradiesischen Naturkulisse.

Ich habe keine Ahnung, wie lange ich Lianen kleingedroschen habe, aber es war geil!

Die ganze Energie, die von hinten in Form von Musik und Gesang kam, konnte ich dank des zuvor erhaltenen Ayahuascas in Energie umsetzen.

Ich habe so die Erfahrung gemacht, dass man ganz brutal Dinge kleinschlagen kann, und dabei von einem tiefen Gefühl der Liebe erfüllt ist.

Ähnlich, wie beim Trommeln, nur heftiger.

Irgendwann kam Jiva angerannt!

Wer hatte sie aus dem Zelt gelassen? Sie sprühte vor Freude, mich wiederzusehen, und irgendwie freute ich mich auch.

Die Gedanken über die Art ihres Weges in die Freiheit stellte ich hinten an.

Ich spürte, wie das Auftauchen von Jiva bei vielen Leuten entzücken auslöste, und dachte „dann ist es halt gut so“

Um es kurz zu machen, sie hat das Moskitonetz der Zelttür durchgeknabbert, und ist durch einen ca 30 cm langen Schlitz entkommen!

Was hatte ich eben noch für eine Erfahrung gemacht? Erfüllt von Liebe Dinge kaputt machen… ich konnte ihr einfach nicht böse sein.

Wenn ich zurückblicke, möchte ich sagen, dass das die mit Abstand schönste Zeremonie war. Ich kann nicht sagen, wie lange ich gedroschen habe, aber es hat kaum Mühe gemacht. Und ich habe wirklich alles gegeben! In mir regt sich der Wunsch, an einer 24 Stundenzeremonie teilzunehmen… vielleicht später mal.

 

Feitio Tag 3

Der heutige Tag war irgendwie verzerrt. Frühstück gab es erst um 9:00 Uhr, d.h. Das erste Glas Ajahuasca erfolgte nach der Meditation auf nüchternen Magen.

Zwischendurch ein kleiner Schluck…

Könnte ein Grund für die Verzerrung sein…

Ein paar Leute haben den Tee aus Lianen und Blättern gekocht. Das geschah mittels dreier Kochtöpfe mit je einem Fassungsvermögen von 25 Litern.

Ich habe mir ein Motorrad ausgeliehen, um nachzusehen, ob im Sanktuario noch alles in Ordnung ist.

Die Hühner waren noch da, die Gänse auch, und die Setzlinge sind gewachsen. Kurz danach war ich wieder im Flor das Aguas und hackte die Wurzeln und Lianen klein, die zu groß für den Häcksler waren.

Abends um sechs gab es noch eine Zeremonie, jetzt ist es 21:40, und ich gehe schlafen.

Vielleicht muss ich noch ein wenig nachdenken, bevor ich den Schatz dieses Tages heben kann… mal sehen…

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Venus hat zugeguckt

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