ubanda – weiße Magie

Über ein neues Bauprojekt im Tierheim habe ich einen Nachbarn kennen gelernt.

Nachdem das offizielle Erledig war, hat er Ana und mich zu einer Ubandazeremonie eingeladen, die von seiner Mutter veranstaltet wird.

Und irgendwie kann ich bei sowas einfach nicht „nein“ sagen….

Somit fuhren Ana und ich am Samstag zur 3 km entfernten „Poussada da Oma“, der „Pension der Großmutter“. Oma heißt tatsächlich Oma, denn die Besitzer haben deutsche Wurzeln.

Zusammen mit der Pension betreiben Sie ein Restaurant mit deutschem Essen. Hausgemachte Wurst, Eisbein und Sauerkraut stehen auf der Speisekarte.

Die Besitzerin heißt Edith und sie hat vor 25 Jahren mit ihrem Mann die Pension gekauft und ausgebaut.

Während sich der Mann um das Weltliche sorgt, ist Edith für das spirituelle verantwortlich.

Vor vielen Jahren hat sie an einer Ubandazeremonie teilgenommen und das hat sie nicht mehr losgelassen. Nun hat die 80 jährige eine eigene Kirche gebaut und leitet einmal pro Monat ihre eigenen Zeremonien.

Ubanda ist grundsätzlich eine Religion, die sich aus afrikanischen und christlichen Elementen zusammensetzt.

Es gibt mehrere Götter, die alle ihre Funktionen haben, doch Jesus ist quasi der, ohne den nichts geht.

Weiterhin ist es auch völlig normal, hilfreiche Geister und Götter zu channeln oder in den Körper zu lassen, damit sie ihre Arbeit auf der physischen Ebene verrichten können.

Edith ist, wie erwähnt, 80 Jahre alt, geht stark gebückt und macht eher einen schwächlichen Eindruck. Sie verträgt kein Sonnenlicht und bleibt somit die meiste Zeit im Haus oder in ihrem schattigen Garten.

Doch in ihren dunklen Augen funkelt eine schwer zu beschreibende Energie. Sie ist eine hervorragende Zuhörerin und wenn sie spricht wird klar, dass sie geistig völlig auf der Höhe und äußerst scharfsinnig ist.

Nur, wenn sie von ihren Erfahrungen mit der geistigen Welt und ihren Treffen mit Außerirdischen erzählt, könnte man dazu neigen, sie für eine verwirrte, alte Frau zu halten. Doch die Art und weise, wie sie spricht, lässt keinen Zweifel an ihrer geistigen Gesundheit zu.

An der Zeremonie nahmen 14 Leute Teil. Es gibt einen festen Kreis von 8, zuzüglich 6 Besuchern, unter denen Ana und ich waren.

Vor dem Betreten der Kirche sorgt Edith für einen angemessenen Schutz. Mit einem Stück weißer Kreide zeichnet sie eine Kreuz auf die Stirn, das Genick, das Brustbein sowie Handflächen und Füße jeder Person. Dazu murmelt sie ein paar Sätze, von denen ich nur „heiliges Kreuz“ und „im Namen von Jesus“ verstehen konnte.

Als alle gezeichnet waren, wurden ein paar Lieder gesungen, Kerzen angezündet, das Vater unser und das Ave Maria gesprochen.

Edith hat eine Helfer, der die Lieder und das, was zu tun ist, ankündigt.

Im Laufe der Zeremonie lässt sich Edith von drei geistigen Wesen besetzen.

Der erste ist Zé Pelintra,  ein Heiler, dessen Statue mich ein wenig an Michal Jackson erinnert hat. Er geht der Reihe nach von Teilnehmer zu Teilnehmer und macht etwas, das mich an eine energetische Extraktion erinnert hat.

Zé Pelintra

Dann kommt „Preto Velho“, ein „alten Schwarzer“, ein Helfer, der Ratschläge gibt und Fragen beantwortet, und als drittes der Geist eines Kindes, der auf seine ganz eigene Art zur Heilung beiträgt.

Preto Velho

Wenn Edith von einem dieser Wesen besetzt wird, ändert sich innerhalb von einer Sekunde ihre Art zu reden und sich zu bewegen.

Ebenfalls ihr Gehilfe wird während der Zeremonie besetzt, und auch in mir meldete sich eine Energie, die ich sonst nur aus den Ayahuasca Zeremonien kannte.

Vor drei Jahren hätte ich das ganze für eine Art Theaterstück gehalten. Doch mit den Erfahrungen, die ich hier in Südamerika gesammelt habe, kann ich ganz klar sagen, dass es kein Theater ist.

Ich habe in der Zeremonie viele Techniken erkannt, die ich aus der schamanischen Arbeit kenne, und vieles, was sich in mir regte, kannte ich aus der Arbeit mit Ayahuasca.

Auch die Verwandlung der alten Frau im Moment der Besetzung ist förmlich zu spüren. 

Meine ganze Welt schien auf die Größe der Kirche geschrumpft und konzentriert zu sein. Durch die offene Tür konnte ich den Garten sehen, doch er erschien mir wie ein Film auf einer Leinwand. 

Die Atmosphäre war so dicht, dass man sie hätte schneiden können. Und all das, ganz ohne bewusstseinserweiternde Mittel!

Nach der Hälfte der Zeit, die ich unmöglich beziffern kann, war ich richtig erschöpft und musste mich extrem konzentrieren, um nicht den Fokus zu verlieren. Die anderen Neulinge verließen zu diesem Zeitpunkt nach und nach die Kirche.

Nur Ana und ich waren in der zweiten Hälfte übrig.

Als das Kind den Körper von Edith besetzte, wurde alles etwas lockerer. Eine Frau aus dem inneren Kreis drückte Edith einen riesigen Stoffbären in den Arm. Sie bekam einen Teller mit Früchten gereicht, die sie sich erst mal genau anschaute. „Den Apfel bitte ohne Schale“ mäkelte sie, und die Apfelstücke wurden geschält.

Nachdem sie alles probiert hatte bat sie, man möge den Teller doch rundgehen lassen, damit die anderen auch etwas bekommen.

Sie redete auf eine ernste aber kindlich naive Art mit den Teilnehmenden während sie ihren Stoffbären im Arm hatte und alles mit großen Augen betrachtete.

Irgendwann war die Besetzung wieder weg und die Zeremonie wurde mit Gesängen und Gebeten beendet.

Danach gab es Kuchen und Pudding im Haus von Edith, natürlich alles Hausgemacht.

Für mich war die Zeremonie eine völlig neu Erfahrung. Extrem anstrengend, obwohl ich nur Zuschauer war, doch alles kam mir irgendwie vertraut vor. 

„Velho Preto“, der alte Schwarze hatte auch eine Nachricht für mich.

„Du bist hier auf einer Mission, denn du hast eine besondere Gabe. Du wirst vielen Menschen helfen.“ war die Kernaussagen.

Das war nicht unbedingt neu für mich, aber schön, dass es noch mal bestätigt wurde.

Interessanter Weise hatte ich bei einigen meiner eigenen Arbeiten danach extrem neue Erfahrungen, auf die ich hier nicht weiter eingehen mag.

Im Großen und Ganzen möchte ich es mit „Level Up“ beschreiben.

Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Zeremonien!

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